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"Welt"-Journalist in türkischer Haft: AfD-Politiker reagieren auf Inhaftierung von Deniz Yücel mit Schadenfreude

Der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sitzt in U-Haft in Istanbul. Für einige AfD-Mitglieder ist das aber kein Grund, empört zu sein. Im Gegenteil: Sie reagieren mit Häme auf das Schicksal des deutsch-türkischen Journalisten.

AfD

In Deutschland gibt es viel Solidarität mit Deniz Yücel, in der AfD gibt es hingegen viel Verständnis für die türkische Politik

Ein türkischer Richter hat am Montag entschieden, dass der Türkei-Korrespondent der "Welt", Deniz Yücel, in Untersuchungshaft kommt. Der 43-Jährige sitzt ab jetzt im berüchtigten Metis-Gefängnis in Istanbul ein. Einzelzellen gibt es dort nicht. Die Gefangenen werden oft in Großzellen mit bis zu 20 Insassen gesperrt. Die Einrichtung der Haftanstalt gilt, freundlich ausgedrückt, als ziemlich schlicht. Yücel ist wie Tausende anderer Leidtragender des harschen Vorgehens der türkischen Regierung gegen ihre Kritiker seit dem gescheiterten Putschversuch. Journalistenverbände und auch die Bundesregierung betonen, Yücel sei lediglich seiner Arbeit als Journalist nachgegangen, doch jetzt drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. 

In Deutschland ist es daraufhin zu bundesweiten Solidaritätskungebungen gekommen. In großen Tagenszeitungen forderten deutsche und türkische Journalisten die sofortige Freilassung des Kollegen, ebenso wie Politiker aus fast allen Parteien.

Der AfD-Jugend-Vorsitzende hetzt gegen Deniz Yücel

Allerdings ist es keineswegs so, dass alle politischen Kräfte des Landes die Inhaftierung des "Welt"-Reporters verurteilten. Die AfD-Spitze schweigt zu dem Thema. Viele AfD-Mitglieder begrüßen sogar das Vorgehen der türkischen Justiz gegen den kritischen Reporter. In den sozialen Medien gibt es Häme und Spott für Yücel.

Der Vorsitzende der Alternativen Jugend und Pressesprecher von AfD-Sprecherin Frauke Petry, Markus Frohnmaier, nennt Yücel "einen Deutschlandhasser und mutmaßlichen Linksterroristen", der schon "längst wegen Beleidigung und Volksverhetzung ein Gefängnis von innen" hätte erleben sollen.

Der Landessprecher der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Holger Arppe, nimmt in seinem Twitter-Kommentar Bezug auf ein Zitat aus einer Kolumne, die Yücel im Jahr 2011 für die "Taz" schrieb. Der Satz wird immer wieder gern von Rechtspopulisten hervorgekramt, um zu beweisen, dass Yücel ein Deutschlandfeind sei. Dass der Satz satirisch gemeint ist, wird dabei verschwiegen. Auf jeden Fall will Arppe, dass Yücel "bleiben kann, wo er ist."


Der Berliner AfD-Politiker Harald Laatsch findet, dass das Attentat auf dem Breitscheidplatz in Berlin durch den islamistischen Terroristen Anis Amris angeblich nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit fand wie der Fall Yücel. 


Auch die Düsseldorfer AfD nimmt Bezug auf das Kolumnen-Zitat von Yücel und rät dem Mann, in der Haft in Ruhe über seine Aussage nachzudenken. Später verurteilt der Düsseldorfer Landesverband zwar die Inhaftierung, bleibt aber dabei, dass Yücel sich angeblich deutschlandfeindlich geäußert habe.

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