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Arbeitsmarkt: Hartz wirkt

Positive Signale für Ältere und Ostdeutsche, keine Besserung für Langzeitarbeitslose: Die arbeitgebernahe "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" hat die Wiedereinstiegschancen von Erwerbslosen in den Job untersucht.

Von Torben Waleczek

Die Krisenprognosen klingen bedrohlich: Auf bis zu 4,7 Millionen könnte die Zahl der Arbeitslosen 2010 angesichts des massiven Konjunktureinbruchs ansteigen. Eine neue Studie der arbeitgebernahen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) zeigt aber, dass die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt gewachsen ist - die Hartz-Reformen aus der Ära Schröder scheinen zu wirken. Besonders profitieren konnten davon ältere und ostdeutsche Arbeitslose - ihnen gelang der Wiedereinstieg in den Job zuletzt deutlich besser als vor den Reformen. Die Ergebnisse könnten darauf hinweisen, wie es um die Arbeitsvermittlung in Deutschland bestellt ist - und sie zeigen, welche Chancen verschiedene Gruppen von Arbeitslosen auf eine neue Beschäftigung haben. Das Papier der "INSM" ist also auch für viele hunderttausend Menschen interessant, die infolge der Krise von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Mit Blick auf den Urheber der Studie ist aber zunächst eine gewisse Vorsicht geboten. Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" gilt als Lobbygruppe der Arbeitgeber, die die Öffentlichkeit für marktliberale Reformen begeistern will. Von ihr stammt der Slogan: "Sozial ist, was Arbeit schafft." Finanziert wird sie durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie, deren Interessen sie so auch vertritt. Gut möglich also, dass die Vordenker des freien Marktes, die im Zuge der Krise in arge Erklärungsnot geraten sind, jetzt die publizistische Gegenoffensive antreten wollen. Aber immerhin: Grundlage der Untersuchung ist eine als seriös und aussagekräftig anerkannte Langzeituntersuchung deutscher Haushalte, die schon seit 1983 durchgeführt wird: das so genannte sozio-ökonomische Panel. Die Zahl der befragten Personen ist hier deutlich größer als bei herkömmlichen Umfragen - deshalb gelten Studien, die darauf basieren, als besonders zuverlässig. Die Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin erstellt wurde, verwendet Zahlen von 2002 bis 2007. Aktuellere Zahlen aus dem Panel sind noch nicht verfügbar. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist also noch nicht abgebildet.

Ein Erfolg der Arbeitsmarktpolitik

Ein erfreuliches Fazit zieht die "INSM"-Studie jetzt für zwei chronische Problemgruppen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Wiedereinstiegschancen von ostdeutschen wie auch von älteren Arbeitslosen haben sich in den letzten Jahren demnach spürbar verbessert. Fraglich bleibt zwar, ob das ein Ergebnis der Hartz-Reformen darstellt - oder ob das der damals guten konjunkturellen Entwicklung zu verdanken ist. Schließlich erlebte die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2006 und 2007 ein kräftiges Wachstum. Doch die Autoren der neuen Studie schreiben der Politik immerhin einen gewissen Anteil an der verbesserten Situation für ostdeutsche und ältere Menschen zu. "Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass mit Blick auf diese beiden Problemgruppen den entsprechenden politischen Maßnahmen in der Summe ein gewisser Erfolg beschieden war", heißt es in dem Bericht. Dabei sind die klassischen Vollzeitbeschäftigungen tendenziell rückläufig, immer häufiger dagegen steigen Arbeitslose in Teilzeitstellen oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse ein. Und das, obwohl die meisten von ihnen gern länger arbeiten würden, als es ihr Arbeitsvertrag vorsieht.

Keine Besserung für Langzeitarbeitslose

Schlechter als bei Ostdeutschen und Älteren ist die Bilanz für die Gruppe der Langzeitarbeitslosen. Deren "Aktivierung" für den Arbeitsmarkt war eines der erklärten Ziele der Hartz-Gesetze. Doch laut "INSM" haben sich die Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose trotz der Reformen nicht spürbar verbessert. Sie konnten von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht profitieren. Neben den einzelnen Arbeitslosengruppen untersucht die Studie auch die Wege, auf denen Menschen einen neuen Job gefunden haben. Generell gilt: Die wichtigste Informationsquelle auf der Suche nach Arbeit sind Freunde und Bekannte. Am zweitwichtigsten ist die öffentliche Arbeitsvermittlung, dicht gefolgt von den Zeitungen. Das Internet landet als Informationsquelle insgesamt auf einem hinteren Platz, für jüngere und hochgebildete Arbeitslose gewinnt das Web aber immer mehr an Bedeutung. Für die Krisenjahre 2009 und 2010 bietet die Studie aber immerhin einen gewissen Orientierungspunkt: Die verantwortlichen Politiker bekommen eine Ahnung davon, welchen Gruppen die Hartz-Reformen von Gerhard Schröder geholfen haben - und davon, wo es noch viel zu tun gibt.