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Atomkraft-Debatte in Deutschland: Raus - und zwar schnell

Es kann nur eine Lehre aus dem atomaren Desaster von Fukushima geben: Die Welt sollte sich so schnell wie möglich von der Atomkraft verabschieden. Alte Beschwichtigungen gelten nicht mehr.

Ein Kommentar von Andreas Petzold

Das beschwichtigende Argument "So etwas kann bei uns nicht passieren" ist tot. Ein für allemal! Wann immer sich auf der Welt Unfälle in Atomkraftwerken ereigneten, haben Politiker und Atom-Lobbyisten mit dieser Formel die Leichtgläubigen chloroformiert. Auch wenn sich die Platten-Tektonik unter dem deutschen Hoheitsgebiet anders verhält als rund um Japan – nie wieder wird dieser Satz glaubwürdig sein. Nie wieder lässt sich mit dem Glauben daran, dass deutsche Techniker die Kernenergie besser beherrschen, erschüttertes Vertrauen wieder aufbauen. Seit Fukushima muss das Unvorhersehbare, das höchst Unwahrscheinliche, das Ausgeschlossene, mitgedacht werden. Und das kann nur Eines heißen: Den schnellstmöglichen Abschied von der Atomkraft.

Für Angela Merkel bedeutet dies, ihren Ausstieg aus dem rot-grünen-Atomausstieg zu revidieren. Die erst kürzlich beschlossene Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke muss von der Berliner Koalition auf die Vorgaben der früheren rot-grünen Regierung zurückgesetzt werden. Es ist nicht ehrenrührig, einen offensichtlichen politischen Fehler zu korrigieren. Und es sollte auch frei von Häme möglich sein. Von der Kanzlerin erfordert die Umkehr etwas Mut und Führungswillen, sie muss die Unbelehrbaren in den eigenen Reihen zähmen. Es gibt dazu keine Alternative, wenn Angela Merkel glaubwürdig im Sinne der Menschen handeln will. Und es wäre sicher das geringere Übel, den Neubau von technisch übersichtlichen Kohlekraftwerken zu genehmigen, auch um den Preis eines schlechteren CO2-Saldos.

Natürlich hören wir jetzt Sätze wie "Man darf nicht zur Tagesordnung übergehen" und "Wir müssen die Sicherheit aller Kernkraftwerke überprüfen". Doch das sind Leerformeln, mit denen Zeit gewonnen werden soll. Monate werden vergehen, bis die Ergebnisse der Sicherheitschecks in deutschen Kernkraftwerken vorliegen. Hier und da wird vermutlich etwas nachgerüstet, ansonsten wird die Botschaft lauten: Alles bestens! Die öffentliche Erregung, die hoch gepeitschten Emotionen sollen ins Abklingbecken. Doch das wäre zynisch und dürfte vom Wähler bitter abgestraft werden. Jetzt kann es nur eines geben: Eine Exit-Strategie aus der Risikozone Atomkraft!

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