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Auszeichnung: Kanzlerin Merkel jetzt "Welt-Staatsmann"

Große Ehre für Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin hat am Dienstag in New York eine Ehrung als "Welt-Staatsmann" erhalten. Die sprachliche Feinheit, dass Merkel nun eigentlich kein Staatsmann, sondern eine Staatsfrau ist, wurde dabei diskret übergangen.

Die Auszeichnung, die die Form eines Adlers hat, wurde ihr von einer interreligiösen Stiftung in New York auch für ihr engagiertes Eintreten für Israel verliehen. Merkel wurde von der Preisverleiherin für ihren "Mut, Courage und Weisheit" gewürdigt. Merkel bedankte sich für die Ehre und versicherte, dass die Gefahren des Rechtsextremismus in Deutschland von ihr sehr ernst genommen würden. Sie wandte sich erneut gegen das iranische Atomprogramm. Die Laudatio hielt Ex-US-Außenminister Henry Kissinger. Kissinger lobte, dass Merkel seit ihrem Amtsantritt "die Ernsthaftigkeit" in die transatlantischen Beziehungen zurückgebracht habe. Er hätte nie gedacht, dass eine Frau aus Ostdeutschland einmal Bundeskanzlerin werden könne.

Merkel hat in der Vergangenheit oft den Rat von Kissinger gesucht. Schon als Oppositionsführerin hatte sie sich mehrmals mit ihm in seiner Wohnung in New York getroffen. Die 1965 gegründete US-Stiftung "Appeal of Conscience" (Mahnung an das Gewissen) ehrt Politiker, die sich für die Menschenrechte sowie für Demokratie und Völkerverständigung einsetzen. Vor Merkel wurde der Preis bereits Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Außenminister Hans-Dietrich Genscher verliehen. Preisträger vergangener Jahre sind unter anderem der brasilianische Präsident Lula, der südkoreanische Präsident Kim Dae- Jung, Jean Chrétien aus Kanada, José Maria Aznar aus Spanien.

Merkel strebt permanenten Sitz Deutschlands im Weltsicherheitsrat an

Die Kanzlerin ist in New York gefragt, genau wie Deutschland, das seit etwa der Mitte der 90er Jahre einer der wichtigsten Spieler auf der internationalen Bühne ist. Und weil das deutsche Gewicht gewachsen ist, wagte Merkel bei ihrer UN-Mission auch die Neuauflage eines alten rot-grünen Projekts: Das Anstreben eines permanenten Sitzes für die Bundesrepublik im Weltsicherheitsrat. "Deutschland ist bereit, Verantwortung zu übernehmen", sagte Merkel am Dienstag schon vor ihrer Rede vor der UN-Generalversammlung. Deutschland strebe daher einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat an, erklärte sie beim Frühstück im Deutschen Haus mit Blick auf die Skyline New Yorks.

DPA/kbe