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Bahnbomber: Deutsche Muslime verurteilen Terror

Die größten moslemischen Organisationen in Deutschland haben den islamistischen Terror verurteilt. Zugleich warnten sie davor, alle Moslems unter Terrorismusverdacht zu stellen

Insgesamt 16 Verbände der in Deutschland lebenden Moslems erklärten am Freitag, die versuchten Anschläge auf Regionalzüge hätten "Abscheu und Empörung" ausgelöst. "Die mutmaßlichen Täter finden im Islam keine Rechtfertigung für solche Taten", heißt es in der Stellungnahme, die unter anderem vom Zentralrat der Muslime in Deutschland, dem Islamrat und der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe Milli Görüs verbreitet wurde. Terror sei ein Verbrechen und eine Bedrohung für die gesamte Menschheit. Die Moslem-Vereinigungen sehen ihre Mitglieder durch die Anschläge doppelt betroffen: Als potenzieller Opfer, die zudem darunter zu leiden hätten, "von vielen als 'Mitschuldige' bezeichnet zu werden". Die Organisationen verlangten eine sachlichen Auseinandersetzung, damit sich der Eindruck eines Generalverdachts gegen alle Anhänger des Islam nicht verfestigte.

Muslime fühlen sich doppelt betroffen

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen unterstützte diese Forderung. Islamischer Glaube und Gläubigkeit dürften nicht zum Synonym für Gewaltbereitschaft und Terror gemacht werden, sagte der CDU-Politiker. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), mahnte in der "Bild"-Zeitung: "Auch für die Muslime ist es eine Bürgerpflicht, Terror und Extremismus mit allen Mitteln zu bekämpfen." Am 31. Juli waren Anschläge mit Kofferbomben auf zwei Regionalzüge versucht worden. Die Sprengsätze waren aber nicht detoniert. Die beiden mutmaßlichen Bombenleger, zwei aus dem Libanon stammende Männer, sind gefasst worden.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters