Bahnbomber Hamad war auf Einladung hier


Ein Autohändler aus Essen hat vor zwei Jahren den flüchtigen mutmaßlichen Bahn-Attentäter Hamad nach Deutschland eingeladen. Hamadas Komplize, der bereits festgenommen wurde, hat offenbar schon länger mit gewalttätigen Aktionen sympathisiert.

Der noch flüchtige zweite Bahn-Attentäter Dschihad Hamad, gegen den mittlerweile Haftbefehl erlassen wurde, ist nach Informationen der "Bild"-Zeitung auf Einladung eines Essener Autohändlers nach Deutschland gekommen. Der Geschäftsmann ist auch Mitglied des Essener Integrationsbeirates. Er war im Zuge der Terrorfahndung nach den Kofferbomben-Attentätern am Dienstag festgenommen worden, befindet sich aber wieder auf freiem Fuß, wie die Stadt Essen unter Hinweis auf entsprechende Polizeiinformationen berichtete.

Der aus dem Libanon stammende Geschäftsmann sagte der Zeitung: "Ich kenne einen Verwandten des mutmaßlichen Attentäters. Dieser bat mich vor zwei Jahren darum, eine schriftliche Einladung abzugeben, damit der junge Mann aus dem Libanon nach Deutschland kommen kann, um hier zu studieren." Dies sei für eine Einreise-Erlaubnis nötig gewesen, da der Verwandte selbst damals arbeitslos gewesen sei. "Ich habe diese Einladung geschrieben und den Beschuldigten danach nur einmal getroffen. Das ist mein einziger Fehler." Auch in einem WDR- Interview bestritt der Autohändler, mit einem der Täter verwandt zu sein oder in irgendeiner anderen Weise mit den fehlgeschlagenen Anschlägen zu tun zu haben.

Essen die zweitgrößte Libanesische Gemeinde

Der 45-jährige Autohändler ist seit 1999 Mitglied im Integrationsbeirat der Stadt und gilt "als isolierte Person in der libanesischen Szene", sagte ein Stadtsprecher. Rund 5000 Libanesen leben in Essen und bilden damit nach Berlin die bundesweit zweitgrößte libanesische Gemeinde.

Die Ermittler haben unterdessen die Fahndung verstärkt. Beamte von Polizei und BKA setzten die Durchsuchung des Hauses im Kölner Stadtteil Ehrenfeld fort, in dem der Verdächtige gewohnt hatte.

Auch im Ausland werde die Suche nach dem flüchtigen Libanesen verstärkt. "Wir wissen, dass der Festgenommene und der zweite Täter zusammengearbeitet haben, dass sie gemeinsam diese Tat geplant haben und sich nach dem 31. Juli abgesetzt haben müssen, mit hoher Wahrscheinlichkeit Richtung Libanon", so der BKA-Chef. Die Zusammenhänge seien aber noch unklar. Man müsse analysieren, "ob es hier um ein Netzwerk geht, ob es Unterstützer gibt oder ob es sich hier tatsächlich um radikalisierte Einzeltäter handelt, die in ihrem fanatischen Wahn glaubten, solche Signale setzen zu müssen", sagte Ziercke.

Laut "Tagesspiegel" und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) sollen die beiden Männer Kontakt zur verbotenen, islamistischen "Hisb ut Tahrir al Islami", der "Partei der islamischen Befreiung", gehabt haben, die ihre Zentrale im Libanon hat und gegen Israel kämpft.

Namen auf der Passagierliste

Wie stern.de berichtet hat, handelt es sich bei dem aus Köln geflohenen Verdächtigen um einen 20-jährigen Libanesen mit dem Namen Dschihad Hamat. Er soll erst seit Februar in Deutschland gelebt haben. Die Namen beider Attentäter hätten sich auf der Passagierliste einer Maschine befunden, die am Abend des 31. Juli nach Istanbul geflogen sei.

Der in Kiel festgenommene mutmaßliche Attentäter Youssef Mohamad E. H. soll nach Recherchen der "Zeit" schon früher mit radikalen Ansichten aufgefallen sein. So habe er anlässlich einer Diskussion um die Mohammed-Karikaturen im Januar 2006 Gewalt gegen die Urheber der Zeichnungen als legitim bezeichnet, wie das Blatt unter Berufung auf ehemalige Mitschüler aus dessen Studienkolleg berichtet. In das habe sich der Libanese im Sommersemester 2005 eingeschrieben, um die deutsche Hochschulreife zu erlangen.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte auch die Festnahme von zwei weiteren Personen. Sie seien am Dienstag in Essen und Oberhausen festgenommen, aber noch am gleichen Abend wieder auf freien Fuß gesetzt worden, sagte Sprecherin Frauke-Katrin Scheuten. Es habe sich um zwei Kontaktpersonen des noch gesuchten Beschuldigten gehandelt.

"Wir ermitteln in alle Richtungen

Bislang lägen den Ermittlungsbehörden keine Erkenntnisse über Verbindungen zwischen dem in Kiel festgenommenen Youssef Mohamad E. H. und dem bereits am 6. Juli ebenfalls in Kiel festgenommenen Beschuldigten Redouane E. H. vor. Allerdings werde geprüft, ob die beiden Personen in Kontakt gestanden hätten. "Wir ermitteln in alle Richtungen", so Scheuten. Anfang Juli hätten den Ermittlungsbehörden keine Hinweise über geplante Attentate in deutschen Zügen vorgelegen.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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