Berlin vertraulich! Der Papst als CSU-Wahlhelfer


Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein gibt sich nicht nur im Gespräch mit dem Papst lammfromm. Auch in seinem neuen Amt zeigt sich der Hardliner von einst von einer bisher unbekannten Seite: unklug offen.

Ein glatter Sieg der CSU bei der Landtagswahl im kommenden Herbst ist jetzt quasi vom Papst verbürgt. Denn bei seiner ersten Auslandsreise als Ministerpräsident, die Günther Beckstein ganz bewusst in den Vatikan antrat, entspinnt sich folgender Dialog zwischen Benedikt XVI. und ihm. Papst: "Ich wünsche Ihnen alles Gute für Bayern und für Sie persönlich Gottes Segen." Beckstein bedankte sich artig. Dann will der Papst wissen: "Was verbinden sie mit Gottes Segen für sich persönlich?" Beckstein: "Da habe ich wie aus der Pistole gesagt: 50 Prozent plus X." Der Papst: "Das letzte Mal war es aber mehr." Beckstein: "Da möchte ich Kardinal Ratzinger zitieren, der einmal gesagt hat, man solle der Güte Gottes keine allzu engen Grenzen setzen." Was beweist: Wer seinen Ratzinger kennt, kommt mit dem Papst locker klar.

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Wessen Bild von Günther Beckstein noch von seinem Auftritt als bayerischer Innenminister geprägt ist, muss intensiv umdenken. Von wegen harter Haudrauf für Recht und Ordnung, der sich allenfalls noch von Otto Schily (SPD) übertreffen ließ. Und wer in Berlin immer noch Edmund Stoiber als das Gardemaß aller bayerischen Ministerpräsidenten im Kopf hat, darf sich wundern. Von schäumender Bugwelle, mit der Stoiber stets in Berlin aufzutreten pflegte, keine Spur. Wenn Beckstein sich der Presse zum Gespräch stellt, wie vergangene Woche aus Anlass seiner ersten 100 Tage im Amt, ist alles ganz anders. Nicht alles sei optimal gelaufen, räumt er freimütig ein. Wäre ein Stoiber jemals auf solche Selbstkritik verfallen? "Ich bemühe mich aber, jeden Tag besser zu werden," sagt er. Und gibt offen zu, dass er den Unterschied zwischen dem Amt eines Ministers und dem des Ministerpräsidenten arg unterschätzt hat. Auf Krawall um des Krawalls willen sei er nicht aus. "Ich weiß," sagt er den Pressebengels, "dass Sie darunter leiden, dass unser Unterhaltungswert nicht so hoch ist, wie zu besten Zeiten." Kommt er mit CSU-Chef Erwin Huber klar, seinem Partner in der Doppelspitze? "Vom Lebensalter her ist es eine Erleichterung, dass keiner das Amt des anderen nebenbei beansprucht." Es ist diese "unkluge Offenheit" (O-Ton Beckstein), die den Mann sympathisch macht.

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Behauptet da einer die bundespolitische Bedeutung der CSU sei unterm neuen Führungsduo Beckstein/Huber geringer geworden als sie unter Edmund Stoiber war? Kompletter Unsinn, wie CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer beweisen kann. Er ließ alle über die Kreuther Klausuren im Jahre 2007 und 2008 erschienen Berichte ausdrucken und stapeln. Das eindeutige Ergebnis: 2007 erreichte der Papierstapel trotz Stoiber-Pauli-Krise 7,1 Zentimeter Höhe, heuer waren es 9,5 Zentimeter.

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Schlank und rank wie seit Jahrzehnten nicht mehr präsentiert sich im neuen Jahr der FDP-Spitzenpolitiker Rainer Brüderle. Früher schleppte er 110 Kilo auf die Waage. Dann nahm er mühsam auf 87 Kilo ab. Jetzt schlottern seine Anzüge an ihm - die Waage zeigt nur noch 75 Kilo. Das Abspeckwunder ereignete sich bei der bekannten "Mettnau-Kur" in Radolfzell am Bodensee, wo sich schon viele Spitzenpolitiker wieder fit für den Berliner Kampf gemacht haben, etwa SPD-Fraktionschef Peter Struck nach seinem Herzinfarkt. Drei Wochen machte Brüderle dort Sport, drei Wochen gab es keinen Schluck Wein, was für den ehemaligen rheinland-pfälzischen Weinbauminister, der damals keinen Schoppen stehen und keine Weinkönigin ungeküsst ließ, Folter mit drittem Grad gewesen sein muss. Zum Abschluss der Kur-Tortur gönnte er sich mit seiner Frau eine Flasche Roten, "danach waren wir betrunken." Jetzt aber fühlt sich Brüderle, wie er sagt, "sauwohl." Berliner FDP-Parteifreunde, die schon heute auf Ministerposten nach der nächsten Bundestagswahl spekulieren, lässt er grinsend wissen: "Ihr müsst langfristig mit mir rechnen." Und der rheinland-pfälzischen FDP, deren Vorsitzender er seit 25 Jahren ist, teilte er im Vorstand mit: "Jetzt ist Halbzeit!" Was das lehrt: Der Zusammenhang zwischen körperlichem und politischem Gewicht ist gewichtiger als man denkt.

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Viel war nicht zu hören nach dem Treffen von zehn Unionspolitikern mit zehn FDP-Abgeordneten in der Berliner Zentrale der Liberalen. Die SPD sah darin keineswegs den zarten Versuch von CDU/CSU, sich aus der Großen Koalition abzunabeln. Peter Struck, SPD-Fraktionsboss, lästerte: "Da die Generalsekretäre Ronald Pofalla und Dirk Niebel dabei gewesen sind, kann ja nicht viel raus gekommen sein." Wenn Struck Recht hat, hat er Recht.


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