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Berlin vertraulich Fischer speckt ab, Brüderle auch


In der parlamentarischen Sommerpause versuchen die Politgrößen traditionell ihren Amtsspeck wegzuhungern. Auch Joschka Fischer will sich wieder in Form bringen. Wofür?
Von Hans Peter Schütz

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer pflegte auf die Frage, wie lange er denn nun schon im Amt sei, auf folgende Weise zu antworten: Er schlug sich mit der flachen Hand auf sein Bäuchlein und sagte: "zwölf Kilo". Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle will jene fünf Kilo Übergewicht, die er im Amt angesammelt hat, nun sportlich bekämpfen. Brüderle fährt im August für drei Wochen auf die Mettnau bei Radolfzell: drei Stunden Sport täglich, kein Tröpfchen Alkohol, 1200 Kalorien pro Tag. Den Felchen isst er ohne Soße. Brüderle sieht dem politischen Herbst nach der Mettnau-Kur optimistisch entgegen: "Die geistigen Kräfte werden sich potenzieren." Politisch noch interessanter ist eine andere Abspeckaktion: Auch Joschka Fischer ist mal wieder auf dem Antikalorientrip. Kein Alkohol und laufen, laufen, laufen. Mit dieser Methode hat er schon mal von 145 Kilo auf schlanke 75 Kilo abgespeckt - im Jahr vor dem Wahlkampf mit Gerhard Schröder, der Rot-Grün 1998 an die Macht brachte. Jetzt rätseln die Grünen: Was hat Joschka vor? Treiben ihn irgendwelche Gedanken an ein neues Rot-Grün an?

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Bissiger Spott wird in Berlin herumgereicht. Die schwarz-gelbe Koalition habe so wenig politisch zu sagen, dass sie künftig mit einem statt wie bisher mit drei Regierungssprechern auskommen werde. Seit einiger Zeit schon darf die von der CSU gestellte stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach nicht mehr vor Journalisten ans Mikrofon, weil sie dem Kanzleramt dort nicht gefiel. Jetzt könnte dieses Schicksal auch dem zweiten stellvertretenden Sprecher drohen, Christoph Steegmans, einem engen Freund von Ex-FDP-Parteichef Guido Westerwelle. Philipp Rösler, der neue Vorsitzende der Liberalen, will ihn angeblich loswerden. Aber es ist offenkundig schwierig, vorzeigbaren Ersatz zu finden. Der frühere langjährige FDP-Sprecher Martin Kothé, der auch schon die Stimme des Bundespräsidenten Horst Köhler gewesen ist, soll, so heißt es, ein entsprechendes Angebot abgelehnt haben, obwohl der Job mit rund 10.000 Euro im Monat gut bezahlt wird. Aber Geld kann ja auch die entscheidende Frage nicht beanworten: Wie lässt sich das schwarz-gelbe Regierungsgemurkse überhaupt positiv verkaufen?

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Über 5000 Bundesbürger, darunter 600 Kinder und Jugendliche, besuchten am Freitagabend das Sommerfest des Bundespräsidenten und seiner Frau. Viele Gäste, von 75 Köchen leiblich versorgt, dürfte dabei eine Frage sehr beschäftigt haben: Wie redet man Bettina Wulff protokollarisch korrekt an? Die offizielle Anrede ist: "Verehrte gnädige Frau". Frau Wulff lehnt das "Gnädige" freilich strikt ab: "Darin finde ich mich nicht wieder. Ich bin Frau Wulff."


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