Buback-Attentat RAF-Ermittler nahmen Zeugenaussagen falsch auf


Haben die Ermittler 1977 nach dem RAF-Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback schlampig gearbeitet? Nach stern-Recherchen wurden damals Zeugenaussagen offenbar falsch protokolliert. Nach der Verhaftung der Ex-RAF-Terroristin Verena Becker bekommen die Aussagen neues Gewicht.

Die Aussagen mehrerer Augenzeugen, die 1977 Angaben zum Attentat auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback gemacht und Hinweise auf eine weibliche Täterin gegeben haben, wurden nach deren eigenen Angaben von den Ermittlungsbehörden falsch oder nur bruchstückhaft protokolliert. Nach Informationen des stern haben diese Protokolle auch nicht die Unterschrift der Zeugen getragen. Die Zeugen seien außerdem in den späteren RAF-Prozessen zum Attentat nicht angehört worden.

Eine damals 32 Jahre alte Rechtsanwaltsgehilfin beobachtete am Mordtag von einem nahe gelegenen Verwaltungsgebäude aus, wie zwei Personen auf einem Motorrad Bubacks Dienstlimousine mehrmals umkreisten, und die hintere Person mindestens zehn Schüsse abgab. Ihr sei aufgefallen, wie sich diese "kleine Person fast artistisch" bewegt habe, sagte die Zeugin dem stern. Nach ihrer Wahrnehmung habe es sich höchstwahrscheinlich um eine Frau gehandelt. Bei dem Attentat am 7. April 1977 waren neben Siegfried Buback auch dessen Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizwachtmeister Georg Wurster getötet worden. Als die Augenzeugin im Januar dieses Jahres von der Bundesanwaltschaft vernommen wurde und sie dabei das Protokoll ihrer Aussage vom 7. April 1977 zu lesen bekam, sei ihr aufgefallen, dass "nur wenige Worte" darauf von ihr gewesen seien.

"Das stimmte von vorne bis hinten nicht"

Ähnlich sei es einem anderen Zeugen ergangen, berichtet der stern weiter. Der heute 46-jährige Beamte und sein Vater hatten nach eigener Darstellung zwei Personen auf dem späteren Tatmotorrad am Vortag des Attentats in der Nähe des Karlsruher Schlossparks gesehen, wo sich zur gleichen Zeit der seiner Familie persönlich bekannte Generalbundesanwalt Siegfried Buback und dessen Ehefrau aufgehalten hätten. Sowohl er als auch sein Vater hätten die Person auf dem Rücksitz des Motorrads als zierlich und nicht größer als 1,65 Meter wahrgenommen, "wahrscheinlich eine Frau", sagte der Zeuge dem stern. Als sie sich nach dem Attentat bei der Polizei gemeldet hätten, seien sie nur eine Viertelstunde lang vernommen worden. Bei einer erneuten Vernehmung durch die Bundesanwaltschaft im Jahr 2007 sei ihm und seinem Vater die Aussage von damals vorgelesen worden. Diese "stimmte von vorne bis hinten nicht", sagte der Zeuge dem stern. Auch sie sei nicht unterschrieben gewesen.

Neue Aussagen unter Eid

Die Augenzeugen hatten sich bei Michael Buback gemeldet, dem Sohn des verstorbenen Generalbundesanwalts, der den Tod seines Vaters recherchiert und ein Buch darüber geschrieben hat. Buback hatte daraufhin den Kontakt zur Bundesanwaltschaft hergestellt. Alle drei Zeugen wären nach eigenen Angaben bereit, auch unter Eid auszusagen.

Die Bundesanwaltschaft wirft der inzwischen inhaftierten Ex-Terroristin Verena Becker keine unmittelbare Tatbeteiligung vor: Es gebe keine Hinweise, dass sie auf dem Motorrad gesessen oder geschossen habe. Bei ihrer fast fünfstündigen Vorführung vor dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe am vergangenen Freitag machte die Beschuldigte nach Informationen des stern Angaben zu ihrem Leben nach der Haftentlassung im Jahr 1989, nicht aber zur Tat selbst.

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