HOME

Bedrohung in Mönchengladbach: Islamisten lauern Polizisten an Privatadresse auf – Gewerkschaft ist alarmiert

"Lass es sein, unsere Brüder nach Hause zu fliegen!" Mit diesen Worten soll ein Beamter der Bundespolizei von mutmaßlichen Islamisten bedroht worden sein. Die Polizeigewerkschaft ist alarmiert und fordert Konsequenzen.

Ein Beamter der Bundespolizei

Ein Beamter der Bundespolizei wurde an seinem Wohnhaus bedroht (Symbolbild)

Picture Alliance

Zwei Männer haben einen Bundespolizisten an dessen Privatadresse in Mönchengladbach bedroht. Das bestätigte die Bundespolizei auf stern-Anfrage. Demnach seien sie in der vergangen Woche an dessen Wohnhaus aufgetaucht. Laut Bericht der "Bild"-Zeitung, die sich auf ein als geheim eingestuftes Behördendokument bezieht, sind sie nach "ihrem äußeren Erscheinungsbild dem islamistischen Spektrum zuzuordnen" und bedrohten den Polizisten mit den Worten: "Lass es sein, unsere Brüder nach Hause zu fliegen!" Offenbar nahmen die mutmaßlichen Islamisten damit Bezug auf Abschiebeflüge, an deren Durchführung der Beamte in den vergangenen Jahren als sogenannter Personenbegleiter Luft mehrfach mitgewirkt hat.

Nachdem er von den Männern angesprochen worden sei, habe sich der Beamte in seine Wohnung zurückgezogen. Erst das Bellen seines Hundes habe die Verdächtigen davon abgehalten, dem Bundespolizisten weiter zu folgen, heißt es laut "Bild" in dem Papier. Für ihren betroffenen Mitarbeiter habe die Bundespolizei Schutzmaßnahmen ergriffen, nach den beiden Männern ("Vollbärte bis zum Brustbein", "Pluderhosen (knöchelfrei)" und "lange Hemden") wird gefahndet.

Bundespolizeigewerkschaft fordert Konsequenzen

Dass Polizisten im privaten Umfeld bedroht werden, ist laut Ernst G. Walter zwar selten, aber dennoch kein Einzelfall. "Wir erleben das zum Beispiel im Zusammenhang mit Hooligans, die unsere szenekundigen Beamten einschüchtern", sagt der Chef der Bundespolizeigewerkschaft dem stern. Der Beruf bringe eine latente Gefahr mit, dessen seien sich die Beamten bewusst. "Es ist aber traurig, dass sich Kollegen, die sich für unsere Gesetze einsetzen und unsere Gesellschaft schützen, verstecken müssen."

Der Gewerkschafter fordert von der Politik und den zuständigen Behörden, dass Polizisten unkomplizierter sogenannte Auskunftssperren beantragen können. Damit werde sichergestellt, dass niemand Unbefugtes an die Privatadressen der Beamten gelangen könne, beispielsweise durch Anfragen bei den Kfz-Zulassungsstellen oder Einwohnermeldeämtern. Bisher seien diese Auskunftssperren nur bei besonders gefährdeten Beamten wie Mitgliedern von Spezialeinheiten obligatorisch.

Darüber hinaus sei der Arbeitgeber gefordert, allen Beamten die vorgeschriebenen Waffenschränke zu bezahlen, wenn diese sich entschließen, aus Sicherheitsgründen ihre Dienstwaffen mit nach Hause zu nehmen, so Walter.

Aber auch die Beamten selbst könnten vorsorgen: "Jeder Kollege sollte sich fragen, ob er zum Beispiel Fotos in Uniform für jedermann sichtbar in die sozialen Netzwerke stellen muss."

In der Bundespolizei sind nach eigenen Angaben derzeit rund 1000 Beamte als "Personenbegleiter Luft" qualifiziert, rund 800 davon seien einsatzbereit. Sie sollen die Bundesländer bei Abschiebungen auf dem Luftweg unterstützen, tragen jedoch de facto die Hauptpersonallast, so die Bundespolizei. Der "Spiegel" berichtete kürzlich, dass vor allem für Abschiebeflüge nach Afghanistan erhebliche Personalnot herrsche.