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Café Einstein: "Anhäufung von Terrorwarnungen"

Echte Gefahr oder falscher Alarm? Immer wieder wird Deutschland von Terrorwarnungen aufgeschreckt. Die Grenze zwischen Panikmache und Bevölkerungsschutz ist dabei fließend. Rolf Tophoven ist einer der bekanntesten Terrorexperten in Deutschland. Er sagt: Es gibt zu viele Warnungen, irgendwann nimmt sie niemand mehr ernst.

Von Martin Krebbers

Es ist schon fast zu einer perfiden Gewohnheit geworden: In regelmäßigen Abständen warnen uns die Sicherheitsbehörden vor möglichen Terroranschlägen in Deutschland. Zwar lesen wir gelegentlich von vereitelten Anschlägen durch radikale Islamisten, etwa 2006 auf Regionalzüge am Kölner Hauptbahnhof, aber richtige Angst mag sich nicht einstellen. Der Terrorexperte Rolf Tophoven befürchtet im stern.de-Interview Café Einstein, dass vor allem die "Anhäufung von Terrorwarnungen" von der Bevölkerung nicht mehr ernst genommen würden. Darin berge sich eine Gefahr: "Wenn es dann wirklich einmal knallt, dann hört keiner mehr hin".

Das Anschlagsrisiko bleibt derweil existent. Rolf Tophoven erinnert an bislang sieben Anschlagsversuche, die durch die Arbeit der Sicherheitsbehörden verhindert werden konnten. Damit nicht genug. "Wir haben 200 Verfahren der Generalbundesanwaltschaft gegen militante Islamisten. Es ist also schon so, dass wir im Fadenkreuz des Terrors liegen." Den Grund dafür sieht der Terrorexperte in dem Engagement der Deutschen im US-geführten "Krieg gegen den Terror". Und dennoch: „Es bringt nichts, in Panik und Hysterie zu verfallen. Wenn wir das täten, spielten wir das Spiel der Terroristen.“ Der Bevölkerung bliebe nichts weiter übrige, als wachsam zu sein und die gestiegenen Sicherheitsmaßnamen, etwa an Flughäfen zu erdulden.

Der Regierung wirft Tophoven vor, ausgerechnet im Zivilschutz immer weiter zu sparen. "Ich halte das nicht für richtig, denn wenn wir eine Katastrophe hätten, dann käme ja die Nagelprobe für den Zivilschutz und die Rettungskräfte." Für die Arbeit der Fahnder wünscht sich Tophoven ausreichend Überwachungs-Kompetenzen, "dass man die Gefährder kennt, dass man sie unter Druck setzt".