HOME

CDU-Bildungskonzept: CDU will die Hauptschule abschaffen

Für die CDU ist es eine kleine Revolution: Sie bricht mit dem dreigliedrigen Schulsystem und der Hauptschule. Damit wird die Diskrepanz zu rot-grünen Schulformen zwar kleiner, manchen CDU-Mitgliedern reicht das aber nicht aus. Anderen geht es zu weit.

Angesichts des Rückgangs bei den Schülerzahlen will sich die CDU bundesweit von der Hauptschule verabschieden. Künftig soll es neben dem Gymnasium nur noch eine "Oberschule" geben, die Haupt- und Realschule vereint, wie aus dem Entwurf eines Bildungskonzepts hervorgeht. Demnach soll es neben dem Gymnasium künftig nur noch eine "Oberschule" geben, die Haupt- und Realschule vereint.

Derzeit gebe es zu viele Schulformen, "die Eltern, Schüler und Lehrer gleichermaßen verwirren, die Vergleichbarkeit innerhalb und zwischen den Ländern erschwert und die Mobilität behindert", heißt es in dem 30-seitigen Papier, das am Montag vom CDU-Bundesvorstand verabschiedet werden soll. Die Parteispitze schließt sich mit dem Konzept den Vorschlägen einer parteiinternen Bildungskommission unter Leitung von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und des sächsischen Kultusministers Roland Wöller an. Bislang hatte die Bundespartei das dreigliedrige System aus Haupt-, Realschule und Gymnasium verfochten.

Sinkende Schülerzahlen

Als Argument für das Abschaffen der Hauptschule nennt die Bundes-CDU in dem Bildungskonzept auch den demographischen Wandel: Manche östliche Bundesländer müssten derzeit nahezu die Halbierung ihrer Schülerzahlen verkraften und Schulen schließen und zusammenlegen. Diese Entwicklung werde auch die westlichen Flächenländer immer stärker erfassen.

Ob die Oberschule künftig auch zum Abitur führen kann, wird in dem Papier nicht explizit erörtert. Es heißt darin nur, die CDU setze auf ein "differenziertes, anschlussfähiges und durchlässiges Schulsystem, in dem Schüler ihren individuellen Bildungsweg gehen können". Die Parteispitze spricht sich zudem für die Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahres aus.

Die Bildungspolitik soll das zentrale Thema auf dem CDU-Parteitag im November in Leipzig sein. Das Konzept der Parteispitze soll nach deren Willen in den Monaten bis dahin an der Basis ausgiebig diskutiert werden

Kritik innherhalb der Union

Bereits am Mittwoch deuteten sich kontroverse Debatten an: Sachsens Kultusminister Wöller begrüßte den Vorstoß der Bundespartei zur Abschaffung der Hauptschule. Diese genieße bei den Eltern "keinerlei Akzeptanz" mehr, sagte Wöller dem Sender MDR Info. In Sachsen gibt es bereits nur Mittelschule und zwölfjähriges Gymnasium. Das Bundesland liegt in Bildungstests wie Pisa regelmäßig vorne.

Widerstand gegen die Pläne zur Abschaffung der Hauptschule kündigte indes der CDU-Landesverband in Baden-Württemberg an. Es gebe "keinen Grund für unsinnige Strukturexperimente", sagte Generalsekretär Thomas Strobl dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel" (Donnerstagsausgabe). Für die Südwest-CDU habe die Hauptschule "einen eigenen pädagogischen Wert".

Der CDU-Bürgermeister im sauerländischen Finnentrop, Dietmar Heß, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Die CDU läuft ganz deutlich der Entwicklung und auch dem Elternwillen hinterher." Er will mit Unterstützung der rot-grünen Regierung von Nordrhein-Westfalen eine Gemeinschaftschule gründen, die um einen gymnasialen Zweig erweitert sein soll. Heß sagte: "Ich bedauere, dass das Thema nicht dadurch abgeräumt wurde, indem die CDU ernsthaft an einem Schulfrieden arbeitet." Auf CDU-Parteitagen heiße es immer, Deutschland brauche nicht nur Abiturienten, sondern auch Hauptschüler. "Für ihre eigenen Kinder haben die Parteimitglieder aber einen anderen Bildungsweg vorgesehen. Das ist für mich ein Stück Heuchelei."

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte, der Freistaat halte an der Hauptschule fest. Er begründete dies mit "individueller Förderung der Schülerinnen und Schüler". Die Vorsitzende der CSU- Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sagte der dpa, im Vordergrund müsse stehen, wie unterschiedliche Talente sowie praktische und theoretische Fähigkeiten der Kinder am besten gefördert werden könnten. Dabei sei sie für jede Diskussion offen.

liri/DPA/AFP / DPA