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CSU: Der Beckstein und die Frauen

Heimchen am Herd oder Heldin der Arbeit - die CSU tut sich schwer mit ihrem Frauenbild: Beim Sommerempfang der Frauenunion waren Emanzen-Töne Tabu. Dafür durfte sich Ministerpräsident Günther Beckstein als echter Schwiegersohn-Typ präsentieren.

Von Christian Eckl

"Kann denn Liebe Sünde sein?", trällert die Sängerin des kleinen Orchesters heiter vor sich hin, während konservative Frauen aus ganz Bayern beim Sommerfest der Frauenunion behaglich Kuchen essen oder an Kanapees kauen. Natürlich gibt es San Benedetto-Wasser, schließlich wohnt der Bruder des Papstes in Regensburg. Pummelige junge Frauen verteilen Prospekte der Frauenunion in trendigen Farben - lila-gelb auf Hochglanz, die Silhouette einer schlanken jungen Frau ziert das Cover. Auf der ersten Seite steht gleich, was Frauen wollen: Netzwerke und Einfluss. Eine hübsche Frau Mitte 30 mit einem kleinen Kind prangt über den Schlagworten. Es bringt das CSU-Weltbild auf den Punkt: Wer Frau sagt, muss auch Familie sagen.

"Starke Frauen, starkes Bayern" überschrieb die Vorsitzende der Frauenunion ihr Sommerfest. Wirtschaftsministerin Emilia Müller hat Sozialministerin Christa Stewens, Generalsekretärin Christine Haderthauer und Justizministerin Beate Merk im Schlepptau. Die Frauenunion, bayernweit mit 21.000 Mitgliedern eine wichtige CSU-Bastion, lud ins Schloss St. Emmeram in Regensburg ein, von wo aus einst Überlandesvater Franz Josef Strauß zu seiner letzten Jagd aufbrach.

Gegen Pille und Kondome

Hausherrin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ("Der Schwarze schnackselt halt so gern"), Mutter des jüngsten Milliardärs auf der Forbes-Liste der Superreichen, spricht im kurzen Rock und Schlabber-T-Shirt ein paar Worte zu den anwesenden Damen - Worte, die es in sich haben. "Vielen Dank, dass sie in diesen Elitären Kreis gekommen sind", beginnt sie ihre kleine Rede. Eine Ortsverbands-Vorsitzende aus Fürstenfeldbruck räuspert sich betreten. Gloria kramt tief im katholischen Fundus: "Es kann nicht sein, dass es in Deutschland Arztpraxen gibt, wo noch im neunten Monat abgetrieben wird", schimpft die Fürstin. Der Assistent von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) "hat mir gesagt, dass man sich nicht an die Spätabtreibungen heran traut, weil dann der ganze Paragraph 218 in Frage stehen würde. Was bei uns in den Arztpraxen mit ungeborenem Leben geschieht, das lässt man in den Tierheimen mit Tieren nicht zu", schimpft Gloria. Erst kürzlich hat die erzkatholische Fürstin ein Buch mit Kardinal Joachim Meisner geschrieben. Sie stellt es am Dienstag bei Maischberger im Ersten vor - und spricht sich dabei wieder einmal gegen die Pille und gegen Kondome aus.

Dann kommen Marga und Günther Beckstein im Beckstein-Bus an. Marga hat gerade gewisse Spannungen mit der Frauenunion: Die CSU-Frauen bestehen darauf, dass die Landesmutter zum Wies'n-Bieranstich ein Dirndl trägt. Marga Beckstein aber mag keine Tracht. "Mir hat man gesagt, dass ich kein Dirndl im Wahlkampf anziehen soll, weil das zu bieder und altbacken wirkt", sagt eine zweite Bürgermeisterin aus der Hallertau. Die Wahl hat sie trotz Dirndl-Verzicht gegen einen Mann verloren.

Die Domspatzen und die Schwangeren-Beratung

Derweil steht Emilia Müller wieder am Mikrofon- und skizziert die Rolle der Frau in Bayern. "In Wirtschaft und Handwerk, in der Landwirtschaft oder in der Familie brauchen wir starke Frauen", sagt Frau Müller. Dann lobt sie noch die CSU-Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn aus Regensburg - die am Vortag für einen Eklat gesorgt hat. Der weltberühmte Chor der Regensburger Domspatzen sollte eigentlich für sie zum 60. Geburtstag singen - dumm nur, dass sie statt Geschenke lieber zu Spenden für Donum Vitae aufrief. Donum Vitae - das ist ein Verein von katholischen Laien, die entgegen der Weisungen des Papstes Frauen in Konfliktsituationen beraten - und eben auch einen Schein ausstellen, der Voraussetzung für eine Abtreibung ist. "Gut, dass Du Dich so einsetzt, wir finden Dein Engagement bei Donum Vitae toll", sagt Emilia Müller - alle klatschen, nur Gloria nicht. Die Domspatzen haben das Ständchen für Eichhorn abgesagt - denn für Donum Vitae singt der Lieblingschor des Papstes natürlich nicht.

Günther Beckstein zeigt sich dann von seiner charmantesten Seite. Barbara Dickmann, Mona Lisa-Chefredakteurin und erste weibliche Moderatorin der Tagesthemen, fasst Beckstein mit Gazé-Handschuhen an. "Herr Beckstein, von der kritischen Presse werden Sie nicht immer schmeichelhaft beschrieben. Wie würden Sie sich selbst charakterisieren", fragt die Moderatorin und klimpert kokett mit den Wimpern. "Ich bin ehrlich, berechenbar und zuverlässig", sagt Beckstein und lächelt verschmitzt. Erleichterung im Auditorium - Zuverlässigkeit schätzen CSU-Frauen eben an Männern. Als ein Journalist kritisiert, dass man Beckstein keine einzige Frage zur Frauenpolitik stellt, wird eine Ortsverbandsvorsitzende zickig: "Wir wollen das nicht, dass wir Frauen thematisiert werden, wir wollen integriert sein. Dann muss man gar nicht mehr über solche Themen sprechen", sagt sie aufgebracht. Das ist Emanzipation auf bayerisch.

"Familie und Kinder bedeuten Freude, Glück und Zusammenhalt"

"Ehe und Familie sind Keimzellen menschlichen Zusammenhalts", heißt es im Grundsatzprogramm der CSU. "In der Familie suchen und finden Menschen Liebe, Geborgenheit und gegenseitige Hilfe. Familie und Kinder bedeuten Freude, Glück und Zusammenhalt". Das Papier, verabschiedet vor fast genau einem Jahr, war ein Kompromiss - kein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben, aber auch keine Verurteilung. Auch die rechtskonservativen Kräfte in der CSU haben akzeptiert, dass man an der gesellschaftlichen Realität nicht vorbei kommt. In Bayern leben immerhin 361.000 alleinerziehende Frauen - eine Realität, die kaum mehr jemand in der Partei wegleugnen will.

Doch Realität hin oder her - das Wort alleinerziehend fällt beim Sommerfest der Frauenunion nicht. Dafür beweist Landesvater Günther Beckstein echte Schwiegersohn-Qualitäten.