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DDR-Grenztruppen: "Mit sauberen Händen der DDR gedient"

Der frühere Chef der DDR-Grenztruppen, Klaus-Dieter Baumgarten, hat in Berlin sein Buch "Die Grenzen der DDR" vorgestellt. Seine Absicht: "Die verzerrte Darstellung der DDR-Geschichte geraderücken".

Der "DDR-Generaloberst a. D." holte gleich zum großen Schlag aus. Der Diskriminierung und Kriminalisierung der einstigen politischen Führung müsse der Boden entzogen werden, sagte entschlossen der frühere Chef der DDR-Grenztruppen, Klaus-Dieter Baumgarten, am Donnerstag bei der Vorstellung des Buches "Die Grenzen der DDR" in Berlin. Der Termin war nicht zufällig gewählt: Das Buch, in dem sich erstmals nach dem Fall der Grenze ("antifaschistischer Schutzwall") die damalige Führung der DDR-Grenztruppen äußert, wurde zum 43. Jahrestag des Mauerbaus vorgestellt.

Verzerrte Darstellung von DDR-Geschichte

Der 73-jährige Baumgarten, wegen der Mauertoten zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt und inzwischen begnadigt, sagte: "Wir haben mit Anstand, Würde und sauberen Händen unserem Staat gedient". Die aus seiner Sicht verzerrte Darstellung von DDR-Geschichte müsse gerade gerückt werden, begründete der Ex-Militär unter beifälligem Kopfnicken früherer Mitstreiter in der Nähe der einstigen Grenze an der Oberbaumbrücke.

"Unter dem Mantel der Aufarbeitung werden historische Fakten falsch dargestellt." Auch wenn er mit dem Vorwurf leben müsse, aus der Geschichte keine Lehren gezogen zu haben, so gelte doch: "Wahrheit bleibt Wahrheit", beharrte der Rentner. Peter Freitag, der an der DDR-Militärakademie unterrichtete, assistierte: Die Diskussion um die Vergangenheit müsste ohne Täter-Opfer Syndrom geführt werden.

"Erfordernis zum Erhalt des Friedens in Europa"

Die 1600 Kilometer lange DDR-Staatsgrenze sei ein Erfordernis zum Erhalt des Friedens in Europa gewesen und habe dafür gesorgt, dass aus dem Kalten Krieg kein heißer wurde. Dazu gehörte auch der Einsatz von Minen, der von den Sowjets angeordnet worden sei, sagte ungerührt Ex-Grenzchef Baumgarten. "Das Element der Abschreckung war deutlich gekennzeichnet und nur für den eine Gefahr, der sich in Gefahr begab." Baumgarten bedauerte die Toten, sagte aber im gleichen Atemzug: "Jedes Vorkommnis an der Grenze führte zu Leid von Menschen und zu politischer Diskreditierung der DDR."

"Es hat nie einen Schießbefehl gegeben", dozierte Baumgarten weiter. Schüsse auf DDR-Flüchtlinge seien die "absolute Ausnahme" gewesen. In seiner Amtszeit von 1979 bis 1990 seien 2905 Personen festgenommen worden. Nach seiner Rechnung gab es 17 Tote und 24 Verletzte. "Das war nicht gewollt, sondern besonderen Umständen geschuldet." Den Angehörigen der Opfer gelte sein "aufrichtiges, tiefes Mitgefühl".

1065 Menschen sind an der Grenze gestorben

Fast zeitgleich stellte die Arbeitsgemeinschaft 13. August am Donnerstag neue Opferzahlen vor. Nach Recherchen des Vereins starben auf der Flucht oder im Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime insgesamt 1065 Menschen. Wer sich frei bewegen wollte, sei für die DDR-Führung ein Verbrecher gewesen, sagte Vereinschefin Alexandra Hildebrandt.

Jutta Schütz/DPA / DPA