Den Haag Mitarbeiter plündert Botschaftskasse


Peinlich für Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): Ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Den Haag soll 300.000 Euro unterschlagen haben. Er besuchte gerne Spielcasinos.
Von Hans-Martin Tillack

Das Auswärtige Amt ist mit einem neuen Skandal in einer seiner Auslandsvertretungen konfrontiert. Der ehemalige Leiter der Zahlstelle der deutschen Botschaft in Den Haag in den Niederlanden muss mit einer Anklage wegen Untreue rechnen. Er soll bis Mitte 2007 etwa 300.000 Euro unterschlagen haben. Der Mann galt als regelmäßiger Besucher von Spielcasinos.

"Die Ermittlungen sind abgeschlossen", sagte Michael Grunwald von der Berliner Staatsanwaltschaft zu stern.de. Das Auswärtige Amt hingegen verweigerte unter Verweis auf "laufende Ermittlungen" jede Stellungnahme. Es reagierte auch nicht auf die Frage, wie es dem Mitarbeiter im Zeitraum von nur etwa drei Jahren gelingen konnte, einen solch hohen Betrag abzuzweigen, ohne dass seinen Vorgesetzten etwas auffiel. Ob es eine Chance gibt, die Gelder wieder einzuziehen oder ob sie der Bedienstete komplett verspielt hat, ließ das Ministerium ebenfalls offen. Das Auswärtige Amt bemühe sich aber "selbstverständlich in derartigen Fällen um volle Erstattung der Schadenssumme", sagte ein Sprecher.

Laxe Kontrollen in den Botschaften

Der Umgang des Außenministeriums mit Betrugsfällen hatte schon in der Vergangenheit kritische Fragen ausgelöst. Auch interne Stimmen hatten die laxen Kontrollen der deutschen Außenvertretungen beklagt. So wird den Botschaften und anderen Auslandsvertretungen in der Regel ein Jahr im Voraus angekündigt, dass eine Inspektion bevorsteht. Das lasse zu viel Zeit, Belege für Missstände zu beseitigen, kritisieren manche Diplomaten. Das Auswärtige Amt beharrt dagegen darauf, es gebe "strenge Kontrollen der Zahlstellen" in den Botschaften. "Auch die strengsten Kontrollmechanismen können jedoch nicht hundertprozentig ausschließen, dass es in Einzelfällen zu strafbaren Handlungen kommt", sagte der Sprecher des Ministeriums.

Mitarbeiter deutscher Auslandsvertretungen sahen sich in der Vergangenheit schon mehrfach Betrugs- und Korruptionsvorwürfen ausgesetzt, etwa wegen illegaler Visa-Geschäfte. Nachdem der stern im September 2006 über den Verdacht auf verbreitete Unregelmäßigkeiten im deutschen Generalkonsulat in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia berichtet hatte, suspendierte das Auswärtige Amt einen hohen Beamten der Vertretung und eröffnete ein Disziplinarverfahren gegen ihn. Der Beamte hatte unter anderem ein Abendessen mit US-Kollegen abgerechnet, das gar nicht stattgefunden hatte. Bald darauf ließ Steinmeier freilich auch denjenigen Diplomaten wegen "Störung des Betriebsfriedens" suspendieren, der hausintern auf die Unregelmäßigkeiten in Atlanta hingewiesen hatte.

Deutscher Botschafter in Den Haag ist seit Juli 2006 Thomas Läufer, ein ehemaliger Büroleiter der seinerzeitigen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth (CDU).


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