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Deutsche Vergangenheit: Vom schwierigen Umgang mit dem Antisemitismus

Antisemitische Äußerungen von Politikern und anderen in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeiten haben in der Vergangenheit wiederholt für Empörung und Aufregung gesorgt.

Antisemitische Äußerungen von Politikern und anderen in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeiten haben in der Vergangenheit wiederholt für Empörung und Aufregung gesorgt.

1992: Bubis nach seiner "Heimat" Israel gefragt

So hatte im November 1992 der Rostocker CDU-Kommunalpolitiker Karlheinz Schmidt den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, mit der Frage brüskiert, ob er als deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht seine Heimat in Israel sehe und was er von israelischer Gewalt gegen Palästinenser halte. Der Vorfall wurde vom Ministerpräsidenten Mecklenburg- Vorpommerns, Berndt Seite (CDU), als "lokales Problem" bewertet, für das es keiner Entschuldigung bedürfe.

2002: Möllemanns Streit mit Friedman

Jüngstes Aufsehen erregendes Beispiel für die Sensibilität des Themas war der FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann. Der Anfang Juni bei einem Fallschirmabsprung ums Leben gekommene Möllemann hatte sich vor der Bundestagswahl 2002 mit israel-kritischen Bemerkungen und Äußerungen über den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, den Vorwurf zugezogen, Antisemit zu sein. Er bestritt alle Vorwürfe, wurde dennoch aus Parteiämtern gedrängt und kam einem drohenden Parteiausschluss mit seinem Parteiaustritt zuvor.

2000: "Jüdische Vermächnisse" in Hessen

Im Oktober 2000 entschuldigte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Klaus Landowsky, beim Dirigenten Daniel Barenboim dafür, dass er ihn als "der Jude Barenboim" bezeichnet hatte. Diese missverständliche Äußerung sei als Kompliment gemeint gewesen. Als Anfang 2000 der hessische CDU-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein im Rahmen einer Spendenaffäre die Legende von angeblichen jüdischen Erblassern aufbrachte, entschuldigte sich Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für diese Entgleisung.

Fassbinder, Walser: Künstler unter Antisemitismus-Verdacht

Gegen Antisemitismus-Vorwürfe zu wehren hatten sich Prominente wie der Schriftsteller Martin Walser, der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder und der Dominikanerpater Basilius Streithofen. Walser hatte sich 1998 gegen eine "Instrumentalisierung von Auschwitz zu anderen Zwecken" gewandt und 2002 mit seinem Roman «Tod eines Kritikers» erneut Streit ausgelöst. F

Fassbinder sorgte Mitte der 80er Jahre mit seinem als antisemitisch empfundenen Stück «Die Stadt, der Müll und der Tod» in Frankfurt/Main für einen langen Theaterkrach. Der streitbare Pater Basilius Streithofen schließlich sah sich 1993 staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgesetzt, nachdem er in einem Vortrag Juden und Polen als die "größten Ausbeuter des deutschen Steuerzahlers" bezeichnet hatte. Streithofen zahlte eine Geldbuße für einen wohltätigen Zweck.

DPA