Deutschland Die Verantwortung für das Streikdebakel


Der Chef des IG-Metall-Bezirks für Berlin und Brandenburg, Hasso Düvel, hat einen Teil der Verantwortung für das Scheitern des Streiks in Ostdeutschland übernommen, einen Rücktritt aber erneut abgelehnt.

"Natürlich trage ich als Streikleiter ein Stück Verantwortung. Aber ich werde nicht jetzt von Bord Springen", sagte Düvel am Samstag auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Frankfurt. Er wolle sich vielmehr an der Aufarbeitung des Streikdebakels beteiligen. Düvel warf der damaligen IG-Metall-Führung vor, den Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland im Machtkampf um die Nachfolge an der Gewerkschaftsspitze missbraucht zu haben. So sei er in der letzten Verhandlungsrunde Ende Juni "schlicht überfahren" worden, als der damalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel bereits von einer historischen Niederlage gesprochen habe. "Wir waren auf eine mögliche Schlichtung vorbereitet", sagte Düvel.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte von Hattingen, Otto König, griff in der Debatte die Betriebsräte westdeutscher Automobilkonzerne an. Aus deren Reihen sei während des Streiks eine "Schlammschlacht" gegen IG-Metall-Vize Jürgen Peters eröffnet worden. "Auf dem Rücken der Streikenden wollten die Automobilbetriebsräte eine andere Ausrichtung der IG Metall erreichen," sagte König. Düvel und Peters waren als Hauptverantwortliche für die gewählte Streiktaktik damals zum Rücktritt aufgefordert worden.

Der Streik hatte die Spaltung der IG Metall zwischen Modernisierern und Traditionalisten verschärft und die größte Industriegewerkschaft in ihre bisher tiefste Krise gestürtzt. Anhänger des designierten Vorsitzenden Peters hatten den Vertretern aus der Automobilindustrie während der Auseinandersetzung vorgeworfen, den Stuttgarter Bezirkschef Berthold Huber im Machtkampf um die Nachfolge Zwickels in eine bessere Position bringen zu wollen.

Auf ihrem Gewerkschaftstag will die IG Metall ihre Führungskrise überwinden und eine neue Führungsspitze wählen. Dabei stellt sich Peters als Vorsitzender und der bisherige Bezirkschef von Baden-Württemberg, Huber, als sein Stellvertreter zur Wahl.


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