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Umstrittene Entscheidung: Deutschland schiebt 17 Afghanen ab, Flug bereits in Kabul eingetroffen

Dienstagabend mussten 17 Afghanen Deutschland verlassen - auf einem Abschiebeflug nach Kabul. Unter ihnen sind fünf rechtskräftig verurteilte Straftäter. Die Abschiebung fällt in eine Zeit, in der die Sicherheitslage in Afghanistan schwierig ist.

Deutschland Afghanistan Lufthansa-Flugzeug

Am Dienstagmorgen flog ein Sammelcharter die 17 Menschen über die Landesgrenzen hinaus nach Kabul in Afghanistan. Am frühen Mittwochmorgen landete die Maschine um 7.30 Uhr Ortszeit (Symbolbild).

DPA

Es ist eine der berüchtigten "Sammelabschiebungen". Die insgesamt 16. seit Dezember 2016. Am Dienstagabend hob ein Sammelcharter in Richtung Kabul ab, der 17 Afghanen in ihre Heimat zurückbringen sollte. Am Mittwochmorgen landete die Maschine um 7.30 Uhr Ortszeit in Afghanistan. Bisher sind somit 366 Afghanen zurück in ihre Heimat geflogen worden. 

Laut der Mitteilung des Bayerischen Landesamtes für Asyl und Rückführungen hielten sich sieben der Abgeschobenen zuletzt in Bayern auf. Unter diesen hätten sich fünf rechtskräftig verurteilte Straftäter befunden, die unter anderem der Vergewaltigung, des schweren Raubs und der gefährlichen Körperverletzung schuldig seien. Neben Bayern hätten sich Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen an der Rückführungsmaßnahme beteiligt.

Abschiebung steht wegen Sicherheitslage in Afghanistan in der Kritik

Die Abschiebungen sind umstritten, weil sich in Afghanistan der Krieg mit den radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat ausweitet. Erst in der Nacht zu Montag wurden in vier Provinzen im Norden des Landes bei Kämpfen fast 60 Sicherheitskräfte getötet. Bei einem Anschlag auf Demonstranten in der östlichen Provinz Nangarhar wurden am Dienstag mindestens 68 Menschen getötet. In Kabul kamen bei einem Doppelanschlag auf einen Wrestling-Club vergangene Woche mindestens 23 Menschen ums Leben. Die Abschiebung sei demnach unverantwortlich, wird von diversen Personen und Organisationen argumentiert. In der Münchner Innenstadt protestierten hunderte Menschen gegen den Vorgang.

Im Juli hatte der Fall eines Afghanen bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, der sich nach einer Sammelabschiebung kurz nach seiner Ankunft in Kabul das Leben genommen hatte. Der Mann hatte zuvor rund acht Jahre in Deutschland verbracht. Er war am 3. Juli aus Hamburg abgeschoben worden, weil er mehrere Straftaten begangen hatte.

fri / DPA