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Meinung

Abstimmung im Bundestag: Ehe für alle, Liebe für Jan-Marco Luczak!

Es ist geschafft, endlich ist die Ehe für alle da! Nicht zuletzt dank einer starken Rede eines CDU-Abgeordneten. Sogar Angela Merkel war sich sicher, dass die "Ehe für alle" bei der Abstimmung im Bundestag durchgesetzt wird - sonst hätte sie doch nicht dagegen gestimmt.

Historische Abstimmung: Diese konservativen Politiker stimmten für die "Ehe für alle"

Okay, ich habe mich geirrt. Das soll man als Journalist ja zugeben, wenn es so ist. Ich habe am Montag die "Ehe für alle" für September prophezeit. Bewusst spöttisch und naiv, weil es ja trotz der Koalitionsversprechen immer noch anders kommen kann, wie schon in den vergangenen 20 Jahren. Aber dann ging plötzlich alles ganz schnell: SPD, Linke und Grüne haben einen Heirats-Antrag gestellt und wollten die Ehe noch in derselben Woche für alle mit ihrer knappen Mehrheit gegen die Union durchsetzen. Und jetzt ist es geschafft! Mit 393 zu 226 Stimmen ist entschieden, dass die - so schön dieser überaus deutsche Begriff auch ist - eingetragene Lebenspartnerschaft überflüssig und die Ehe endlich für alle ist.

In die große Freude über das Ergebnis mischte sich dann kurz Empörung: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim Bundestagsvotum nun doch gegen die Öffnung der Ehe gestimmt. Dabei hatte sie sich doch gerade erst so schön milde gezeigt, was das Thema betrifft. Vor Journalisten hat sie ihre Stimme als "Gewissensentscheidung" begründet und vom "grundgesetzlichen Schutz der Ehe von Mann und Frau" gefaselt. Das Adoptionsrecht, der Punkt, in dem sich die Lebenspartnerschaft hauptsächlich von der Ehe unterscheidet, gestehe sie ja auch gleichgeschlechtlichen Paaren zu, da habe sie ja ihre Meinung geändert. Dann bliebe also nur noch die sprachliche Unterscheidung - und die brandmarkt dann bloß noch einen Unterschied zu heterosexuellen Paaren oder bisexuellen Paaren, die sich ganz zufällig in jemanden vom anderen Geschlecht verliebt haben - einen Unterschied, den es eigentlich gar nicht gibt. 

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak ist konservativ und trotzdem - oder deshalb - für die Ehe für alle

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak ist konservativ und trotzdem - oder deshalb - für die Ehe für alle


Trotzdem hält Merkel am alten Grundsatz fest: Theoretisch, wenn auch ungewollt, kann aus einer Beziehung zwischen Mann und Frau ein Kind hervorgehen. Und nur das verdient daher den Namen Ehe. Man möchte zu gern wissen, was diese eigentlich doch so kluge und versierte Frau privat von der "Ehe für alle" hält.

Nach Luczaks Rede war alles klar

Denn Merkels floskelhafte Wiederholungen halte ich für einen Vorwand. Ich glaube, sie war sich so sicher, dass der Gesetzesentwurf der homofreundlichen bunten Parteien trotzdem durchgewunken wird - und genügend Stimmen erhalten wird  - auch ohne ihre eigene. Ich glaube, Angela Merkel hat die Rede ihres Parteikollegen Jan-Marco Luczak gehört und gewusst: Das Ding ist durch. Sie wusste, das Thema "Ehe für alle" hat sie nun vom Tisch; bei der Bundestagswahl im Herbst steht es ihr vermeintlich nicht mehr im Weg. Mit ihrer Stimme dagegen konnte sie innerhalb der eigenen Partei das Gesicht wahren, ohne allzu großen Zorn der Bevölkerung auf sich laden zu müssen: Das Gesetz würde es auch ohne ihr Zutun schaffen, da konnte die Bundeskanzlerin sicher sein.

Auch dank Luczak. Der hatte sicher seinen Anteil daran, dass auch aus der Union ein paar Abgeordnete mehr ihr Jawort gaben, als zuvor angenommen. Luczak setzt sich seit Jahren für die Gleichstellung homosexueller Paare ein. Vor der Abstimmung sprach er sich als Bundestagsabgeordneter der CDU für die Öffnung der Ehe für schwule, lesbische und bisexuelle Paare aus. "Es wäre doch absurd, die Ehe dadurch schützen zu wollen, dass man Menschen davon ausschließt, zu heiraten", sagte er im Bundestag. Er sei für die Öffnung der Ehe, gerade weil er konservativ sei, denn es gehe bei der Ehe schließlich um konservative, bürgerliche Werte. Außerdem brauche das Gesetz keine Verfassungsänderung und seine Kollegen aus der Union mögen sich doch einen Ruck geben.

Da haben wir's nun also, vielen Dank - Ehe für alle und Liebe für Jan-Marco Luczak! Grünen-Chef Kai Klose hat es auf den Punkt gebracht: "Es ist wirklich genug Ehe für alle da", sagte er. Bleibt nur die Frage, wer dann jetzt Erika Steinbach heiraten muss.