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Ermittlungen gegen Wulffs Ex-Sprecher Die Akte Glaeseker


Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker hat düstere Wochen hinter sich: Erst verliert er den Job, jetzt hat er Staatsanwalt und LKA im Haus. Was einige Fragen des stern in Gang setzten.
Von Dirk Benninghoff und Hans-Martin Tillack

16 Fragen hatte der stern dem Bundespräsidenten am 22. Dezember gestellt, morgens um 9.41 Uhr. Es waren Fragen, die seinen Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker betrafen. Nur fünf Stunden später war der seinen Job los: Glaeseker wurde vom Dienst entbunden, wie es offiziell hieß. In Wahrheit musste er gehen, weil er für den Präsidenten zu heikel wurde. Denn Auslöser der stern-Fragen war: Glaeseker machte wiederholt kostenlos Urlaub in Anwesen von Manfred Schmidt, dem Partykönig und Promi-Netzwerker. Das enthüllte stern.de am 23. Dezember, einen Tag nach Glaesekers Entlassung.

Zeugen hatten dem stern berichtet, dass Glaeseker im Jahr 2008 zusammen mit seiner Frau – einer früheren niedersächsischen CDU-Sprecherin - sowie Wulffs geschiedener Gattin Christiane mehrere Tage Gratisurlaub in Schmidts luxuriöser Finca Can Pere Crous in Arbúcies nördlich von Barcelona genossen hatte. Glaeseker war kein normaler Urlauber: Bis Wulffs Weggefährte mit seinem Chef im Juli 2010 ins Präsidialamt wechselte, war er sein Sprecher und Staatssekretär in der Staatskanzlei von Niedersachsen – und damit auch dort an das für Staatsbedienstete geltende Verbot gebunden, Geschenke mit Amtsbezug anzunehmen. Der entscheidende Unterschied zu Wulffs Ex, die als Privatperson überhaupt kein Problem hatte, Einladungen anzunehmen.

Glaeseker dagegen warb für Schmidts Veranstaltung "Nord-Süd-Dialog", die Politik und Unternehmer zusammenführte - zuletzt am 11. Dezember 2009. Um die 950 Gäste kamen in ein eigens dafür umgewidmetes Terminal des Flughafens Hannover. "Das war ausschließlich die Zuständigkeit von Olaf Glaeseker", sagte der heutige niedersächsische Regierungssprecher Franz Rainer Enste dem stern. Allerdings befand sich der Sprecher in guter Gesellschaft seines Vorgesetzten: Auch Wulff hat, wie der stern später berichtete, potenzielle Sponsoren für Schmidts Veranstaltung angesprochen - erfolgreich. Der damalige Ministerpräsident war auch Schirmherr des "Dialogs".

Glaesker tauchte ab

Während die Affären um den Bundespräsidenten auch nach Weihnachten jede Menge Stoff für Berichte und Diskussionen gaben, wurde es um Glaeseker still. Der Ex-Sprecher tauchte ab, war fortan für Medien nicht mehr zu erreichen. Auch Schmidt äußert sich nicht zu den Vorwürfen. So extrovertiert er in der Promi- und Politszene auftritt, so zurückhaltend ist der gebürtige Niedersachse im Umgang mit Medien.

An diesem Donnerstag nun der vorläufige Höhepunkt in dem Glaeseker-Drama: Der 50-Jährige muss mit ansehen, wie die Staatsanwaltschaft Hannover und Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA) sein Haus in Wunstorf durchsuchen. Auch Privaträume in Berlin nehmen sich die Behörden vor, genau wie Geschäftsräume von Schmidt. In Wunstorf stellten die Ermittler Computerdateien und Dokumente sicher. Der böse Vorwurf an das Duo Glaeseker/Schmidt: Bestechlichkeit und Bestechung. Für einen Haftbefehl besteht keine Notwendigkeit. Es besteht aber laut Staatsanwaltschaft "mehr als nur ein Anfangsverdacht".

Der Bericht auf stern.de vom 23. Dezember hatte die Ermittlungen ausgelöst. Anfang Januar vernahmen der ermittelnde Staatsanwalt und Beamte der Zentralstelle für Korruptionsfälle des LKA in Hannover dann erste Zeugen.

Es schien zuletzt so, als würde die Wulff-Affäre auf Bobbycar-Niveau schrumpfen. Mit den Ermittlungen gegen Glaeseker ist die Phase der Lappalien aber vorüber. CDU-Generalsekretär und Merkel-Vertrauter Hermann Gröhe jedenfalls nimmt "solche Ermittlungen sehr ernst". Es klingt fast wie eine Drohnung.


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