HOME

Früherer Wulff-Sprecher sagt aus: Sein Name ist Glaeseker, und er weiß wenig

Die Abrechnung bleibt aus: Christian Wulffs früherer Sprecher Olaf Glaeseker liefert als Zeuge vor Gericht nichts Belastendes gegen seinen ehemaligen Chef.

Viel Geduld wird Christian Wulff, abverlangt. Das gilt für die Wochen seit der Eröffnung seines Korruptionsprozesses am Landgericht Hannover ebenso wie für den Zeugenauftritt seines einstigen Sprechers Olaf Glaeseker an diesem Mittwoch.

Doch so groß die Spannung vor der Vernehmung war, am Ende kann sich der frühere Bundespräsident nicht beschweren. Obwohl sich die Wege der Männer Ende 2011 mit der Entlassung Glaesekers im Streit trennten, bleibt eine Abrechnung von Wulffs einstigem Vertrauten aus: Unter Berufung auf viele Erinnerungslücken liefert Glaeseker allenfalls Informationen, die die Strategie der Verteidigung unterstützen. Laut Kammer könnte das Urteil nun am 27. Februar fallen.

Wulff erleichtert

"Die Wahrheit ist hilfreich", fasst ein sichtlich erleichterter Wulff am Ende des elften Prozesstages die Aussage Glaesekers zusammen. Was konkret er darunter versteht, für wen welche Aussage nun hilfreich sein soll, verrät er nicht. Dass es sich dabei aber wohl nicht um Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer handelt, der den Zeugen Glaeseker erst Anfang Januar überraschend benannt hatte, lässt sich wiederum aus dessen Aussage schließen.

"Sie hätten ja auch so nicht viel zur Wahrheitsfindung beigetragen", sagt Eimterbäumer zu Glaeseker nach dem 78-minütigen Verhör. Er wirkt überrascht von den lückenhaften Schilderungen des 52-Jährigen und will wissen, warum dieser sich bis Ende 2013 auf sein - inzwischen abgelaufenes - Aussageverweigerungsrecht berufen hat. Glaeseker kontert betont langsam und präzise: Grund sei ein "rein fürsorglicher anwaltlicher Rat" gewesen.

Im Laufe des Prozesstages ist Wulff jedoch nicht immer zum Lachen zumute. Rund zehn Minuten vor dem Ende der Verhandlung meldet sich der hörbar genervte Angeklagte inmitten der Befragung der Staatsanwaltschaft laut zu Wort: "Ich möchte auf Paragraf 233 (der Strafprozessordnung) hinweisen, damit ich von der Teilnahme befreit werden kann", schimpft Wulff, der vor seiner politischen Karriere als Jurist aktiv war.

"We miss you"

Grund für Wulffs Ärger ist ein Foto, das Eimterbäumer als Beweismittel vorgelegt hat und das selbst Richter Frank Rosenow zum Kopfschütteln verleitet: Es zeigt Wulff mit einem Schild in der Hand, auf dem "We miss you" ("Wir vermissen Dich") steht. Groenewold hatte das Foto an dem umstrittenen Oktoberfest-Wochenende 2008 für Glaeseker aufgenommen, der krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste. Auch ihn hatte der mitangeklagte Filmfinancier nach München eingeladen.

Doch auch Eimterbäumer hat Grund zum Ärger: Unzählige Male hört der Staatsanwalt auf seine Fragen ein unbefriedigendes "Nein". Sei es zur Oktoberfest-Reise selbst oder zur im Prozess ebenfalls auf dem Prüfstand stehenden Filmförderung. Glaeseker kann sich entweder nicht mehr an Vorgänge erinnern - oder hat noch nie von ihnen gehört.

Laut Staatsanwaltschaft hat sich der wegen Vorteilsannahme angeklagte Wulff von Groenewold Kosten rund um den Oktoberfest-Besuch bezahlen lassen. Im Gegenzug soll er für ein Filmprojekt beim Siemens-Konzern geworben haben. Die Angeklagten erklären die Einladung mit ihrer Freundschaft.

Bislang kann Eimterbäumer nur auf eine einzige Zeugin verweisen, die dem widerspricht und finanzielle Nöte als Motivation nennt: Groenewolds frühere Assistentin, die am Vormittag in dem Prozess aussagt. Die Verteidigung wertet diese Aussage lediglich als "Zeugnis des emotionalen Engagements" besagter Zeugin.

Zu all diesen Vorgängen kann Glaeseker nichts sagen. Einzig in das Beziehungsgeflecht der beiden Angeklagten bringt Wulffs einstiger Vertrauter etwas Licht. "Sie sind Freunde", betont er. Sonst hätte Groenewold nicht am Wochenbett von Wulffs Sohn Linus gestanden.

Am 10. Februar werden sich die Verhältnisse umkehren. Dann soll Wulff vor dem Landgericht als Zeuge im Korruptionsprozess gegen seinen früheren Sprecher aussagen. Glaeseker gelingt es mit seiner Aussage nicht nur, wie in früheren Jahren Druck von Wulff zu nehmen. Zugleich baut er Wulff mit einem kurzen Satz auch eine Brücke für dessen Aussage am 10. Februar.

"Wulff hat schon genau gewusst, was man macht und wo man ist", sagt Glaeseker. Genau diese Frage steht im Glaeseker-Prozess im Fokus. Ihm wird vorgeworfen, sich von Partymanager Manfred Schmidt mit Urlaubsreisen bestochen haben zu lassen - angeblich ohne das Wissen von Wulff.

ono/anb/DPA / DPA