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Zwiespältiges Signal Fan-Rückkehr in die Fußballstadien: Und was ist mit der Kultur?

Bremer Weserstadion im Morgengrauen
Morgendämmerung auch am Bremer Weserstadion: Ab sofort sind in deutschen Fußballarenen wieder Fans zugelassen
© Sina Schuldt/DPA
Die kurzfristige Erlaubnis, Fans wieder in die Stadien zu lassen, wirft Fragen auf: Können jetzt auch andere Bereiche auf ähnliche Lockerungen hoffen – oder handelt es sich am Ende doch bloß wieder um einen Kniefall vor dem mächtigen König Fußball? 

Eine Großveranstaltung in einem Stadion unter freiem Himmel vor bis zu 13.000 Zuschauern – von so einem Event gehe "ein katastrophales Signal" aus, hat Markus Söder noch Ende August behauptet, als hitzig über das umstrittene Pop-Konzert in der Düsseldorfer Arena diskutiert wurde.

Wohlgemerkt derselbe Söder, der nun kurz vor den Start der neuen Bundesliga-Saison am kommenden Wochenende, den bundeseinheitlichen Vorschlag für einen "Probebetrieb" mit Fans in den Fußballstadien vorangetrieben hat.

Ein symptomatischer Zickzack-Kurs in der Krise

Ein Zickzack-Kurs, der symptomatisch für den Umgang mit den Unwägbarkeiten der Coronakrise steht: Heute wird das Konzert bis auf weiteres verschoben, morgen werden Fußballspiele unter mehr oder weniger exakt den gleichen Voraussetzungen zugelassen.

Und deshalb ist die Fan-Rückkehr in die Stadien eben nicht nur ein "Sieg der Vernunft", wie die "Bild"-Zeitung jubelt. "Das ist keine Extrawurst der Politik für die Bundesliga, sondern das Ergebnis gesunden Menschenverstandes", heißt es dort in einem Kommentar. Aber das stimmt höchstens zur Hälfte.

Natürlich ist jede Maßnahme, die von der vielzitierten Rückkehr in irgendeine Art von Normalität kündet, grundsätzlich zu begrüßen. Aber noch ist die ganze Aktion nach aktuellem Stand eben doch bloß ein Zückerchen für den mächtigen Millionenbetrieb Bundesliga.

Zwar heißt es, dass auch andere Profi-Sportarten wie Eishockey oder Handball von dem neuen Konzept profitieren sollen. Klar ist aber auch, dass es auf Hallenveranstaltungen ohnehin nicht deckungsgleich zu übertragen dürfte.

Die Politik hat sich schwer unter Druck gesetzt

Überhaupt hat sich die Politik mit dieser Entscheidung schwer unter Druck gesetzt. Vorsichtshalber wurde der Testbetrieb zwar auf sechs Wochen angesetzt, aber besagte Sportarten dürften nun ebenso wie beispielsweise die Konzertbranche ihre Ansprüche anmelden und schnelle Lockerungen fordern – und zwar vollkommen zu Recht.

Es ist in der aktuellen Situation von immenser Bedeutung, dass nach dieser Entscheidung auch der Gastronomie, dem Kulturbetrieb, der gesamten Veranstaltungsbranche endlich mehr Perspektiven und die Vision irgendeiner Zukunft aufgezeigt werden. Sonst ist die Fan-Rückkehr ins Fußballstadion am Ende nämlich doch genau das, was sie angeblich auf keinen Fall sein soll: ein Kniefall vor König Fußball.


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