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Hilfe für Flüchtlinge: Bitte spenden Sie - aber keinen Müll

Karnevalskostüme, Vibratoren, Extensions, kaputte Kleidung: Als Mitarbeiter im Flüchtlingsheim staunt man über so manche Spende. Nicht alles, was in Ihrem Keller steht, hilft den Flüchtlingen.

Ein Appell von Jenny Kallenbrunnen

Zwischen unzähligen gestapelten Pappkartons stehen vier Helfer, packen Kisten aus und begutachten Kleidung.

Viele freiwillige Helfer sortieren die Spenden - und trennen das Nützliche vom Müll

Vielen Dank, dass Sie so viel für Flüchtlinge spenden. Tausende Helfer im ganzen Land stapeln seit Wochen Kisten, packen Kartons aus und sortieren. Unzählige Dinge, die Sie Menschen geschenkt haben, die nichts mehr besitzen - bis auf die Kleidung, die sie trugen, als sie ihren gefährlichen Weg aus ihrer noch gefährlicheren Heimat nach Deutschland angetreten haben.

Diese Menschen brauchen jetzt keine Extensions

Doch so selbstlos all Ihre Geschenke sein mögen - nicht alle helfen den Flüchtlingen. Kleidung und Decken halten die Menschen warm, Kuscheltiere bringen Kinder zum Lächeln und Spielkarten die Erwachsenen zusammen. Aber einige Spenden sind auch unbrauchbar, unangemessen - oder sogar Müll. 

Immer wieder packen unsere Helfer Spenden für die Kriegsflüchtlinge aus, die uns sprachlos machen. Liebe Spender: Diese Menschen brauchen jetzt keine Extensions. Keine Karnevalskostüme. Keine Federboas. Und auch keine Vibratoren.

Pullover mit Löchern und Ihre mit Wasser aufgefüllten Shampooflaschen werden in der Flüchtlingsunterkunft entsorgt - so, wie von Ihnen auch. Um den Müll müssen wir freiwilligen Mitarbeiter uns dann kümmern. Das kostet Geld. Das kostet Zeit. Wertvolles Geld, wertvolle Zeit, die viel sinnvoller genutzt werden könnten. Für noch mehr Deutschkurse, zum Beispiel.

Kaputte, unbrauchbare Sachen lieber gleich in den Müll

Wir brauchen Decken, gute Kleidung, Spiele. Wir brauchen Wörterbücher (etwa Arabisch-Deutsch und Persisch-Deutsch), Blöcke und Stifte für unseren Sprachunterricht. Und jedes Flüchtlingsheim aktualisiert ständig die Liste mit Dingen, die noch fehlen - und auch die Liste mit Dingen, die nicht benötigt werden. Sie helfen nicht, wenn Sie die dennoch weiterhin vorbeibringen. Die Listen sind vor Ort an den Unterkünften ausgehängt und werden auch in den sozialen Netzwerken verbreitet und aktualisiert.

Werfen Sie kaputte, unbrauchbare Sachen lieber weg. Was schon seit mehreren Monaten ausgesondert in Ihrem Keller steht, ist womöglich nicht das Richtige - weder für Sie noch für andere Menschen.

Bitte, liebe Spender, informieren Sie sich vor Ihrer Spende, was aktuell gebraucht wird. Und bitte verwechseln Sie spenden nicht mit Keller ausmisten.

jen