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Förderprogramm: Stipendien erhöhen Chancengleichheit

Bildungsministerin Annette Schavan stellt das neue Stipendien-Programm der Bundesregierung vor und alle kreischen empört "Elitenförderung!" Dabei ist es längst an der Zeit, dass Deutschland gute Studenten angemessen fördert.

Ein Kommentar von Theresa Breuer

Kaum hat Bildungsministerin Annette Schavan das von der Bundesregierung geplante Stipendien-Programm vorgestellt, kreischt es empört aus allen Ecken "Elitenförderung!". Das Programm sei nichts anderes als ein "Geschenk an die Reichen", klagt die SPD. Es privilegiere chancenreiche Akademikerkinder, wettern die Grünen. Und die Linke schließt sich diesen Vorwürfen naturgemäß an. Dabei täte die Opposition gut daran, einmal genauer hinzusehen.

Bislang werden nur rund zwei Prozent der deutschen Studierenden mit Stipendien gefördert - das ist wenig im europäischen Vergleich. Künftig sollen bis zu zehn Prozent der Studierenden gefördert werden, und das mit 300 Euro im Monat. Die Stipendien sollen unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben werden und sich nicht bloß an guten Noten orientieren. Auch das soziale Engagement sei ein Auswahlfaktor sowie die Hindernisse, die ein Student eventuell im Leben zu überwinden hatte. Wer den Studienkredit Bafög erhält, kann die 300 Euro oben drauf packen.

Die Auswahl der Stipendiaten ist überhaupt ein wichtiger Punkt. Man schaue sich nur mal die Organisationen an, die Stipendien vergeben. Da gibt es katholische Einrichtungen, die nur an Christen Stipendien verleihen und muslimische Studenten diskriminieren. Oder die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, bei der ein Stipendiumsanwärter zunächst seine liberale Gesinnung belegen soll, bevor er aufgenommen wird. Das neue Programm wäre politisch und konfessionell unabhängig. Es würde sich zwar zur Hälfte aus staatlichen Mitteln und zur anderen Hälfte aus privaten Mitteln - zum Beispiel aus der Wirtschaft - finanzieren. Letztlich hätten aber die jeweiligen Hochschulen das Sagen, wer ein Stipendium erhält.

Stipendium belohnt Leistung

Kritiker des Stipendienprogramms sind der Ansicht, das Geld solle lieber für eine Bafög-Erhöhung genutzt werden. Damit käme es den Studenten zugute, die mehr Geld wirklich benötigen. Dabei sind Bafög und das Stipendienprogramm zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Eine alleinige Erhöhung des Bafögs hat in der Vergangenheit die "Qualität" der Hochschulabgänger nicht messbar beeinflusst, weil es nur auf die Eingangsschwelle "zu arm zum Studieren" zielt. Bafög fehlt der Fördercharakter - im Gegensatz zu einem Stipendium, das Leistung tatsächlich belohnt.

Das Stipendium würde einem "ärmeren" Studenten, zum Beispiel einem Bafög-Empfänger, zahlreiche Möglichkeiten eröffnen. Zum einen könnte er das Geld sparen, um nach dem Studium den aufgenommenen Studienkredit möglichst schnell zurück zu zahlen. Zum anderen könnte der Student das Geld für ein Auslandssemester nutzen, denn auch das ist bei dem vorgesehenen Stipendienprogramm möglich. Bislang war es für einen Studenten aus wohlhabendem Elternhaus kein Problem, in den Semesterferien ein Praktikum in, sagen wir, Burkina Faso zu machen, für einen Bafög-Studenten schon. Auch das würde sich ändern.

Wer studiert, gehört sowieso schon zur Elite

Dass es sich bei dem Programm der Bundesregierung um Elitenförderung handele, ist ziemlicher Unsinn. Das Gegenteil ist richtig, es würde die Chancengleichheit unter den Studierenden fördern. Denn bei der kritischen Diskussion sollte eines nicht außer Acht gelassen werden: Wer studiert, gehört sowieso schon zu einem erlauchten Kreis und einer geistigen Elite. Dass noch immer viel zu wenige junge Menschen aus sozial schwachen Familien studieren, ist zwar ein ernsthaftes Problem. Doch mit dem Stipendienprogramm hat dieses Problem rein gar nichts zu tun.

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