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Folge von Auslandseinsätzen: Zahl traumatisierter Soldaten auf Höchststand

Sie können die Erlebnisse des Einsatzes in Afghanistan nur schwer verarbeiten: Niemals zuvor mussten so viele Bundeswehrsoldaten wegen posttraumatischer Belastungsstörungen behandelt werden. Gleichzeitig herrscht bei der Truppe ein akuter Mangel an Therapeuten.

Die Zahl der in Behandlung befindlichen Bundeswehrsoldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) hat einen Höchststand erreicht. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte am Mittwoch einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung", wonach in den ersten neun Monaten des Jahres 483 Soldaten wegen PTBS behandelt wurden. Im Gesamtjahr 2009 waren es 466 gewesen.

Die meisten der betroffenen Soldaten waren im Afghanistan-Einsatz. Die hohe Zahl der Betroffenen erklärte der Sprecher mit der gestiegenen Intensität der Vorfälle im Einsatz, aber auch mit einem offeneren Klima bei der Bundeswehr, in dem sich Soldaten eher trauten, seelische Probleme anzusprechen.

Akuter Therapeutenmangel

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, beklagte in der "Mitteldeutschen Zeitung" Defizite bei der Versorgung. "Es fehlen vor allem Therapeuten, die sich mit den Betroffenen intensiv auseinandersetzen und sie wie Lotsen durch die Bürokratie begleiten", sagte Kirsch. Im Frühjahr seien von 42 psychiatrischen Dienstposten in der Truppe lediglich 24 besetzt gewesen.

Die Bundeswehr wird auch künftig in vielen Regionen der Welt im Einsatz sein: Am Mittwoch verlängerte das Bundeskabinett mehrere Einsätze der Bundeswehr im Ausland. Danach sollen die Truppen noch jeweils ein weiteres Jahr in Bosnien-Herzegowina, im Indischen Ozean und im Mittelmeerraum im Rahmen EU-geführter Einsätze für Sicherheit sorgen. Der Bundestag muss dem Kabinettsbeschluss noch zustimmen.

be/DPA/AFP / DPA