VG-Wort Pixel

Fridays for Future Jakob Blasel will in den Bundestag: "Wir brauchen radikale Klimaaktivisten im Parlament"

Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel
Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel (r.)
© Uwe Anspach / Picture Alliance
Vom Aktivisten zum Politiker: Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel kandidiert für den Bundestag. Er ist nicht der einzige Aktivist, den es in die Politik zieht. Doch nicht allen Mitstreitern der Bewegung gefällt das.

Es gibt da diesen Moment in einer Dokumentation des Funk-Formats "Y-Kollektiv", in dem Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel seinen Frust nicht verbergen kann. Er nuckelt an seiner Wasserflasche, nimmt einen Schluck und sagt dem Reporter: "Ich fand das dann doch sehr ernüchternd. (…) Ich hatte da vorher mehr gesellschaftlichen Optimismus verspürt."

Der junge Klimaaktivist hatte sich zuvor mit Roman Müller-Böhm (FDP) getroffen, dem jüngsten Bundestagsabgeordneten der aktuellen Legislaturperiode. Die beiden diskutierten minutenlang über die Maßnahmen der Politik gegen den Klimawandel. Blasel zeigte sich nach dem Gespräch enttäuscht. Er wirkte fast so, als habe ihn die Realität eingeholt, regelrecht kalt erwischt. Denn Müller-Böhm stimmte ihm in vielen Punkten zwar zu, sagte aber auch, dass man in der Politik Kompromisse finden müsse.

Vielleicht muss Jakob Blasel das bald tatsächlich machen. Denn anderthalb Jahre nach dem Gespräch hat er angekündigt, selbst in den Bundestag einziehen zu wollen. "Was kann ein Einzelner auf einer Fridays-for-Future-Demo bewegen?", fragte er in einem Interview bei "Zeit Campus Online" und beantwortet seine Frage gleich selbst: "Der Apparat wird sich auch nur verändern, wenn viele mit meinen Überzeugungen in Parteien und Parlamente gehen."

Jakob Blasel: "Wir brauchen einen direkten Draht ins Parlament"

Der Kieler, Jahrgang 2000, gehört zu den bekannteren Gesichtern von Fridays for Future. Er initiierte die Bewegung in Deutschland – und trat als Bundessprecher auf. Im Juli zog er sich aus der Pressearbeit zurück. Jetzt will er in die Politik. Deshalb kandidiert er für die Grünen in Schleswig-Holstein. Dort ist er bereits seit drei Jahren Mitglied.

"Wir haben als Fridays for ­Future bitter feststellen müssen, dass die Regierung trotz aller Warnungen und Proteste nicht handelt. Wir brauchen einen direkten Draht ins Parlament", begründet er seine Entscheidung im "Zeit Online"-Interview – und fügt hinzu: "Wir brauchen radikale Klimaaktivisten im Parlament."

Blasel ist offenbar kein Einzelfall. Wie "Business Insider" berichtet, zieht es weitere Aktivisten der Bewegung in die Politik. So möchte Urs Liebau für die Grünen in Magdeburg auf Listenplatz 2 antreten. Auch ein Fridays-for-Future-Mitglied in Niedersachsen überlegt, für die Grünen zu kandidieren. SPD und Linke befinden sich laut einem Bericht der "Taz" in Gesprächen mit weiteren Fridays-for-Future-Aktivisten.

Fridays For Future: Dissens zwischen Basis und führenden Aktivisten

Dass nun Aktivisten der Bewegung ein politische Mandat übernehmen wollen, kommt nicht überraschend. Mehrere Mitglieder engagieren sich bereits bei den Grünen – darunter Luisa Neubauer. Dennoch kristallisiert sich ein Dissens zwischen der Basis der Bewegung und den führenden Aktivisten heraus. Besonders deutlich wurde dieser vergangene Woche, als sich Greta Thunberg und andere Klimaaktivisten mit Angela Merkel im Bundeskanzleramt trafen.

Einige Mitstreiter kritisierten das Treffen mit der Kanzlerin. Der Bewegung schade es, wenn immer die gleichen Leute im Vordergrund stünden, beschwerten sich vier Aktivisten in der "Taz". Greta Thunberg wies die Kritik ab. Fridays for Future sei keine Organisation, sondern "eine Graswurzelbewegung, die von Individuen lebt", sagte sie bei einer Pressekonferenz.

Wenn Blasel in den Bundestag einziehen würde, werde er aus der Rolle eines Aktivisten sprechen, sagt er – und betont im "Zeit Online"-Interview auch: "Ich hoffe, dass wir nicht so werden wie die 68er mit ihrem 'Marsch durch die Institutionen'. (…) Joschka Fischer wurde von seinen eigenen Leuten mit Farbbomben beworfen, weil er in seinen Positionen eingeknickt ist."

Quellen: "Zeit Campus Online" / "Taz" / "Business Insider" / Youtube

rpw

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker