HOME

G8-Umweltministertreffen: USA beharrt auf Sonderrolle

Man wolle mehr tun für den Klimaschutz, darin waren sich die G8-Umweltminister einig. Die USA beharren jedoch darauf, ihr eigenes Klimasüppchen zu kochen - und lassen Umweltminister Gabriel schon jezt zweifeln, dass Debatte auf dem G8-Gipfel greifbare Erfolge bringt.

Drei Monate vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm sind auf dem Umweltministertreffen in Potsdam Differenzen zwischen den USA und den anderen großen Industrieländern über den Klimaschutz offen zu Tage getreten. Das machte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zum Abschluss des Treffens der Ressortchefs der G8-Staaten und mehrerer Schwellenländer in Potsdam deutlich. Dennoch gehen er und der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, davon aus, dass es in Heiligendamm Klimaschutz-Vereinbarungen geben wird. Es sei aber nicht zu erwarten, dass dort "der große Wurf" gelinge, sagte Steiner.

USA behaaren auf Sonderrolle

Nach Angaben Gabriels ging es bei den Differenzen darum, dass sich die USA anders als die anderen großen Industrieländer nicht an einem finanziellen Ausgleich für Vorleistungen der Entwicklungsländer beim Klimaschutz beteiligen wollten. Dies betreffe etwa Brasilien, wo es bereits erhebliche Erfolge bei der Wiederaufforstung der Regenwälder gebe. Ein zweiter Streitpunkt sei der CO2-Emissionshandel gewesen, den die Amerikaner weiter ablehnten, sagte der Minister.

Gabriel betonte zugleich, der amerikanische Delegationsleiter Stephen Johnson habe eine außergewöhnliche Bilanz erfolgreicher Klimaschutzpolitik in den USA vorgelegt. Der "eigentliche Konflikt" zwischen den USA und den Europäern liege darin, dass Washington mit eigenen nationalen Zielen Klimaschutz betreibe und sich nicht an international verbindlichen CO2-Abbauzielen gemäß dem Kyoto-Protokoll beteiligen wolle. Johnson habe auch nicht seiner Aufforderung widersprochen, dass alle Industrie- und Entwicklungsländer mehr als bisher zum Abbau der schädlichen Treibhausgase tun müssten.

Vorbereitung auf Heiligendamm

Gabriel betonte, es seien in Potsdam keine Verhandlungen geführt worden. Vielmehr sei es darum gegangen, die unterschiedlichen Interessen auf den Tisch zu legen, Wege zu einem schnelleren Handeln aufzuzeigen und Heiligendamm sowie die UN-Klimakonferenz im Dezember auf Bali vorzubereiten.

Der Minister plädierte bei der Pressekonferenz für eine enge Verzahnung zwischen Klimaschutz und nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung. Vor allem die Entwicklungsländer hätten die Sorge, dass sich ihre wirtschaftliche Entwicklung unter neuen Klima-Auflagen verlangsamen könnte.

Die Umweltminister der führenden Industrieländer (G8) hatten am Samstag in Potsdam über Strategien gegen die globale Erwärmung beraten. Am Freitag hatten sie sich vor allem dem Kampf gegen das Artensterben gewidmet. Die G8-Minister berieten erstmals auch mit ihren Kollegen aus den fünf großen Schwellenländern China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika.

DPA / DPA