Gerhard Schröder "Jetzt fängt ein neuer Abschnitt an"


Der Termin gehört zum Restprogramm. Wenn Gerhard Schröder vor die SPD-Delegierten in Karlsruhe tritt, ist ihm ein rauschender Abschied gewiss.

Er will kurz vor dem Ende seiner Kanzlerschaft Zweifelnde von der Notwendigkeit des Bündnisses mit der Union überzeugen, das - wäre es nach ihm gegangen - schon 1998 am Anfang seiner sieben Regierungsjahre gestanden hätte.

Ob Schröder in seiner Parteitags-Rede nur versöhnliche Worte findet, ist unwahrscheinlich. Den nicht nur von ihm als beschämend empfundenen Umgang des SPD-Vorstands mit Franz Müntefering wird auch Schröder wohl nicht einfach unter den Teppich kehren. Die gewachsene Unabhängigkeit, die er sich in seiner vierwöchigen "Nachspielzeit" als Kanzler geschaffen hat, gibt ihm die Freiheit, manche Dinge etwas offener auszusprechen als bislang möglich.

"Jeder Abschied muss verarbeitet werden", hat Schröder kürzlich über seine derzeitigen Befindlichkeiten gesagt. "Ich habe dazu die Stabilität und zum Glück auch genügend Leute um mich herum.". Eine Distanz zu den in 40 Jahren angesammelten politischen Ämtern ist schon spürbar: "Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt - mal sehen, was der bringt", sagt der 61-Jährige. Eigentlich könne er nur allen empfehlen, in diesem Alter noch einmal etwas Neues auszuprobieren.

Die letzten Tage der Kanzlerschaft

Seine letzten Tage als Kanzler dürften nun wie im Fluge vergehen. Am Freitag wird Schröder bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags mit der Union im Berliner Paul-Löbe-Haus direkt gegenüber vom Kanzleramt dabei sein. Dass er als SPD-Verhandler an seiner "eigenen Abdankung" mitwirken konnte, habe ihn richtig gefreut, sagte er mit ironischem Unterton nach getaner Arbeit. Am Samstagabend wird Schröder dann auf dem Rathausplatz in Hannover mit einem großen Zapfenstreich von der Bundeswehr verabschiedet. Drei Tage später will er das Kanzleramt an seine Nachfolgerin Angela Merkel übergeben.

Zu Hause in Hannover wolle er künftig öfter auch im Garten arbeiten, nachdem die Zeit der offiziellen Spatenstiche nun endgültig vorbei sei, verriet Schröder zu seinen weiteren Plänen. Auch andere Dinge für die unmittelbare Zeit danach sind schon geregelt. Das jedem ausgeschiedenen Kanzler zustehende Büro bezieht er in einem Bundestagsbau Unter den Linden, schräg gegenüber von Helmut Kohls jetzigen Amtsräumen. Schröders Vormieterin war ausgerechnet die SPD- Linke Sigrid Skarpelis-Sperk, die ihm bei der Reform-"Agenda 2010" das Leben besonders schwer machte. Auch Räumlichkeiten für eine eigene Anwaltskanzlei hat er bereits in Berlin angemietet.

Kein Job bei den "Heuschrecken"-

Aufsichtsratsposten in Konzernen strebe er nicht an, hat Schröder in der "Zeit" zu immer wieder kolportierten Geschichten klargestellt. Keinesfalls werde er sich für viel Geld bei "Heuschrecken"- Unternehmen verdingen.

Jetzt will Schröder sich erst einmal in Ruhe daran setzen, ein Buch über seine Kanzlerjahre zu schreiben, das in einem Jahr erscheinen soll. Ob in absehbarer Zeit auch noch andere Aufgaben außerhalb der Politik dazukommen, darüber gibt es nur Spekulationen. Sportfunktionäre meinen etwa, der Ex-Kanzler wäre ideal für den Präsidentenposten, wenn sich im nächsten Jahr der Deutsche Sportbund mit dem Nationalen Olympischen Komitee vereinigt. In Berlin halten sich auch hartnäckig Gerüchte, dass Schröder mit einigem Abstand Nachfolger von Helmut Schmidt als Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" werden könnte.

Joachim Schucht/DPA


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