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Toter Piraten-Politiker: Wer war Gerwald Claus-Brunner?

Gerwald Claus-Brunner hat sich das Leben genommen und offenbar zuvor einen anderen Mann getötet. Ein Blick auf das Leben des Piraten-Politikers mit der einprägsamen Erscheinung, den viele nur "Faxe" nannten.

Gerwald Claus-Brunner saß von 2011 bis 2016 für die Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus

Gerwald Claus-Brunner saß von 2011 bis 2016 für die Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus

Er war eines der bekannteren Gesichter der Berliner Piratenpartei, schon alleine ob seiner auffälligen Erscheinung: , über zwei Meter groß, kräftige Statur, trug stets Latzhose, dazu ein Palästinensertuch auf dem Kopf. Nun ist der Mann, der von vielen "Faxe" genannt wurde, tot. Im Alter von 44 Jahren wurde er leblos in seiner Wohnung gefunden, in einem weiteren Zimmer lag die Leiche eines anderen Mannes – offenbar von ihm getötet, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Er "war nie unumstritten, (…) nie einfach und er hatte es auch nie leicht", heißt es in der Erklärung der Piraten zu seinem . Umstritten war er zum Beispiel bei Charlotte Knobloch. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden forderte Claus-Brunner 2011 auf, sein Kopftuch nicht mehr zu tragen. Das Palästinensertuch sei nicht nur ein Symbol der Befreiungsbewegungen der Dritten Welt und der westlichen Linken, sondern stehe auch für Nationalismus, bewaffneten Kampf und Anti-Zionismus, schrieb sie damals in einem offenen Brief. Claus-Brunner wehrte sich entschieden gegen die Vorwürfe und trug als Reaktion ab dann oft einen Davidstern an einer Kette um den Hals – quasi als Gegengewicht.

Gerwald Claus-Brunner hatte Gegner in der Partei

Aber auch innerparteilich hatte er nicht nur Freunde. Erst Anfang des Jahres wollte man ihn aus der Piraten-Fraktion ausschließen. Mit unüberlegten Äußerungen in der Öffentlichkeit und den sozialen Medien habe er der Partei geschadet, so der Vorwurf. Acht von 15 Mitgliedern stimmten dafür, zehn wären nötig gewesen. Claus-Brunner durfte bleiben. Er wollte nie Parteischaf sein, trat stets für seine eigenen Themen ein. "Seine politischen Ideen sind weder gemeingefährlich, noch neu, noch mehrheitsfähig. Aber es sind seine. Wie jeder ordentliche Linke will Claus-Brunner nicht gewinnen, er will recht behalten", beschrieb ihn Hajo Schumacher 2013 für die "Berliner Morgenpost".

Er trat den Piraten 2009 bei und wollte zwei Mal ihr Generalsekretär werden, beide Male scheiterte er. Auch für den Vorsitz im Landesvorstand stellte er sich zwei Mal erfolglos zur Wahl. Im Jahr 2011 wurde er auf Platz 13 der Landesliste ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Auch wenn er in seiner Partei nie Karriere machte, in Talkshows war er ein gern gesehener Gast – wohl nicht zuletzt wegen seiner Optik. Und auch die Autovermietung Sixt nahm ihn einst ohne vorherige Absprache für eine ihrer oft kritisch gesehenen Werbekampagnen des Konzerns.


Lehre, Basketball, Bundeswehr

Der Mann, der sich selbst laut "Welt" als "zu 95 Prozent schwul und zu 5 Prozent hetero" bezeichnete, wurde 1972 auf der Heimfahrt aus dem Dänemark-Urlaub geboren, weswegen der Grenzort Harrislee in seinem Ausweis als Geburtsort steht. Claus-Brunner machte eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker, ging später einige Jahre zur Bundeswehr. Beim TC Bad Rothenfelde spielte er laut "Berliner Morgenpost" Basketball "nahezu auf Zweitliga-Niveau". Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Telekom und Siemens Gebäudetechnik Ost. Mehrere längere Auslandsaufenthalte hatte Claus-Brunner in den USA, Israel, der Schweiz und Griechenland. Ab 2011 studierte er Maschinenbau an der FHTW Berlin, wie in seinem Profil auf der Webseite des Parlaments Berlin zu lesen ist. 

In letzter Zeit war es ruhiger geworden um Claus-Brunner - wie um die meisten Piraten. Bei der Wahl am 18. September schaffte es die Partei nicht, im Berliner Parlament zu bleiben. Der Politiker ahnte das bereits vorher. Man werde die Partei noch vermissen, sagte er am 23. Juni im Abgeordnetenhaus. Dann folgte eine Anspielung auf seinen bevorstehenden Tod: "Und ihr werdet auch in der laufenden Legislatur für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen."

Selbstmord und Tötung

Am vergangenen Freitag twitterte er dann von einem "echten Kacktag heute" und ergänzte: "Hoffe, das Wochenende machts besser". Es sollte einer seiner letzten Tweets werden. Am Montag erreichte ein Brief von Claus-Brunner das Büro der Berliner Piraten. Wenig später fand die Polizei seine Leiche und die des mutmaßlich von ihm getöteten Mannes. Dieser Mann soll zuvor Claus-Brunner anzeigt haben und starb laut Staatsanwaltschaft durch "stumpfe Gewalteinwirkung auf den Oberkörper".

Der großgewachsene, auffällige Politiker war stets eines der bekannteren Gesichter seiner Partei. Nach diesem tragischen Vorfall wird er vielleicht als das bekannteste in die Geschichte eingehen.