Hartmut Mehdorn Endlich auf dem Abstellgleis


Mitarbeiter-Check und gelöschte E-Mails der Gewerkschaft: Mit seinem Rücktritt zieht Bahn-Manager Hartmut Mehdorn die Konsequenzen aus der Daten-Affäre, die der stern aufgedeckt hatte. Im politischen Umgang mit dem Manager offenbart sich ein Beispiel abartiger Parteibuchpolitik.
Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Den Mehdorn-Fans, so es sie noch geben sollte, könnte arg bitter aufstoßen, dass der Mann jetzt doch endlich aufs Abstellgleis geschoben worden ist. War er denn nicht ein erfolgreicher Bahnchef? Noch immer fährt der Staatskonzern Gewinne ein, Fern- und Nahverkehr laufen gut, nur der Güterverkehr krankt. Letzteres freilich ist Hartmut Mehdorn nicht anzurechen. Die Wirtschaftskrise zieht ihre tiefrote Spur auch durch die Bahnbilanz.

Jegliche Selbstkontrolle verloren

Aber dennoch: Allerhöchste Zeit war es, dass der Bahnchef endlich aus dem Verkehr genommen worden ist. Es ist ja anerkennenswert, dass die Bahn nicht länger Verluste einfährt und dass sie mehr Personen befördert als jemals zuvor. Das alles hat aber mit dem Kern des Übels nichts zu tun. Er besteht darin, dass der Bahnchef zunehmend jegliche Selbstkontrolle verloren hat. Selbstherrlich hat er die Tatsache verdrängt, dass in seinem Konzern die Mitarbeiter systematisch beschnüffelt worden sind. Gleichgültig, ob Mehdorn das gewusst hat oder nicht (letzteres ist überaus unwahrscheinlich), gleichgültig auch, ob in diesem Umgang mit dem Personal nun strafrechtliche oder nur unkollegiale Dimensionen stecken - wer weiterhin die Hände schützend über diesen Mann gehalten hätte, hätte sie sich schmutzig gemacht. Manager, die sich bei anderen Konzernen auf ähnlichen Abwegen tummelten, mussten schließlich ebenfalls büßen. Diese ebenso zielgerichtete wie zügellose Schnüffelei in den Daten der Mitarbeiter kann nicht akzeptiert werden.

Dass die Bahngewerkschaften jetzt die Nase gründlich voll hatten, ist verständlich. Hinzu kam, dass Mehdorn zum schlechten Schluss noch einmal über einen angeblichen "politischen Linkskurs" krakeelte, sich mit der Opferrolle zu schmücken versuchte. Das belegt eindrucksvoll den Realitätsverlust dieses Mannes. Wer so mit seinen Mitarbeitern umgeht oder umgehen lässt, hat an der Spitze eines staatseigenen Konzerns nichts verloren.

Regierung hat versagt

Dass es Mehdorn möglich war, sich dort überhaupt so lange zu halten, ist der politische Skandal dieses Vorgangs. Derzeit pflegen viele Politiker, die Kanzlerin voran, sich über die Manager von Banken und Konzernen zu erheben und werfen ihnen egoistisches, asoziales Verhalten und Verachtung jeder gesamtgesellschaftlicher Verantwortung vor. Nur den Manager Mehdorn, der ihrer Aufsicht unterstellt ist, den wollten sie nicht in ihre Kritik einbeziehen. Und weshalb? Weil die politische Führung der Großen Koalition mal wieder ihre innenpolitischen Spielchen betrieb. Dies nach der Devise: Egal, was dieser Mehdorn an der Bahnspitze auch anstellt, er muss bis nach der Bundestagswahl bleiben. Denn dann dürfe man allein bestimmen, wer Nachfolger wird. Diese Taktik war ein abstoßendes Stück Parteibuchpolitik des Kanzleramts und der CDU/CSU-Fraktionsführung.

Wunschkandidat hin, Wunschkandidat her - wichtiger als solche personellen Winkelzüge müsste eigentlich die politische Verantwortung sein, die die Regierung dafür trägt, dass von der Spitze des bundeseigenen Unternehmens derart dubiose, wenn nicht sogar illegale Operationen gegen die Bahnbeschäftigten genehmigt worden sind. Da hätte schon viel früher durchgegriffen werden müssen.


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