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Identitäre Bewegung: Rechtsextreme wollen Vormundschaft für Flüchtlinge übernehmen

Die Identitäre Bewegung will den Mord von Kandel propagandistisch auschlachten: Dazu wollen sie Vormundschaften für Flüchtlinge übernehmen. Die Behörden sind bereits gewarnt.

Identitäre Bewegung

Identitäre bei einer Demo in Berlin

Die rechtsextreme Identitäre Bewegung will sich minderjähriger Flüchtlinge annehmen, indem ihre Anhänger Vormundschaften für sie übernehmen. Die Identitären begründen die Initiative mit dem Mord an einem 15-jährigen Mädchen in Kandel, dass mutmaßlich von einem jungen Afghanen erstochen wurde. Er soll aus Rache gehandelt haben, weil die 15-Jährige mit ihm Schluss gemacht hatte.

Die Rechtsextremen wollen mit den jungen Flüchtlingen "über vorhandene falsche Erwartungen an ihr Gastland" reden. Die Idee hatte der Hamburger Ableger, jetzt wird für sie auch bundesweit auf der Website der Bewegung geworben. In dem Text dazu warnen die Rechtsextremisten vor der "politisch gewollten Masseneinwanderung". Von dieser Einwanderung profitieren laut den Identitären in erster Linie die "Organisationen der Asyllobby". Zudem würden deren Mitarbeiter oft Vormundschaften für minderjährige Flüchtlinge übernehmen.

Die Umsetzung der Idee dürfte schwierig sein

Um das zu verhindern, wollen die Rechtsextremisten nun selbst die Initiative ergreifen, um "weder das Wohl der geflüchteten Menschen noch das Wohl der Gesellschaft" der sogenannten "Sozialindustrie" zu überlassen. Demnach haben sich Aktivisten des Hamburger Ablegers bereits beraten lassen und planen Schulungen zu dem Thema.

Die Umsetzung der Idee dürfte aber schwierig werden, denn die Behörden haben bereits Wind von der Sache bekommen. Laut Bericht des Onlinemagzins "Vice", das zuerst über das Vorhaben der Identitären berichtet hatte, warnte der Hamburger Kinderschutzbund – in der Hansestadt zuständig für die Vergabe von Vormundschaften – die Justiz vor Anfragen von Rechtsextremen. Ein Gerichtssprecher sagte, dass Vormundschaften der rechten "Identitären Bewegung" für Flüchtlingskinder seinen "ein eher theoretisches Gedankenspiel". Es müsste ein langes Prozedere durchlaufen werden, um Vormund zu werden. Es sei kein Fall bekannt, in dem Aktivisten der Gruppierung Vormundschaften übernommen hätten.

Identitäre mit engen Verbindungen zur AfD

Die Identitäre Bewegung ist seit rund drei Jahren in Deutschland aktiv und ein wesentlicher Teil der sogenannten "Neuen Rechten". Sie kämpft gegen die vermeintliche Überfremdung der Gesellschaft, unterhält enge Verbindungen zur AfD – und wird vom Verfassungsschutz als "rechtsextrem" eingestuft.

tis