Infografik Wie gewählt und gezählt wird


In der Regel ist der Anteil der Zweitstimmen entscheidend für den Wahlerfolg einer Partei, da auf ihrer Basis die Zahl der Bundestagssitze errechnet wird. Allerdings kann sich die Zahl durch Überhangmandate erhöhen.

Bei der Bundestagswahl hat jeder Wähler zwei Stimmen. Mit der Erststimme entscheidet er über den Direktkandidaten in seinem Wahlkreis. Die Zweitstimme ist ausschlaggebend für die Verteilung der insgesamt 598 Mandate auf die einzelnen Parteien.

Für die Zweitstimme ist auf dem Stimmzettel die rechte Spalte vorgesehen. Hier stehen alle Parteien, die in einem Bundesland mit einer Landesliste antreten. Jede Partei wird mit ihren ersten fünf Listenvertretern genannt. Allerdings sind die Listen - anders als bei der Landtagswahl - starr. Der Wähler kann also nur eine Partei insgesamt ankreuzen und hat keinen Einfluss auf die Reihenfolge der Kandidaten.

Auf der linken Seite des Stimmzettels stehen die Direktkandidaten. Jede Partei darf in jedem Wahlkreis nur einen Bewerber aufstellen. Der Wähler kann sich - möglicherweise unabhängig von seiner Parteipräferenz bei der Zweitstimme - einen persönlichen Favoriten heraussuchen. Auf das Endergebnis, also die Stärke der Parteien im Bundestag, hat diese Entscheidung keinen Einfluss - es sei denn, es kommt zu Überhangmandaten.

Das "personalisierte Verhältniswahlrecht" in Deutschland kann die Zahl der Abgeordneten erhöhen. Dies tritt ein, wenn eine Partei durch die Erststimmen für ihre Wahlkreiskandidaten mehr Mandate erhält als ihr nach dem Anteil der Zweitstimmen zustehen. Da direkt gewählte Bewerber auf jeden Fall in den Bundestag einziehen, erhöht sich die Zahl der Mandate der Partei um diese Überhangmandate. Dies war bei vergangenen Bundestagswahlen häufig der Fall. Im scheidenden 15. Bundestag gab es zu Beginn der Wahlperiode fünf Überhangmandate. Je nach Ausgang der Wahl, kann die Zahl der Überhangmandate entscheidend für die Mehrheit sein.

Überhangmandate werden nicht nachbesetzt, wenn ein so ins Parlament gekommener Abgeordneter stirbt oder aus einem anderen Grund ausscheidet. Im 15. Bundestag verringerte sich die Zahl im Laufe der Wahlperiode auf drei. Im Gegensatz zu den Regelungen in den Ländern gibt es bei Bundestagswahlen keinen Ausgleich für Überhangmandate. Bei Landtagswahlen wird das Verhältnis der Zweitstimmen bei den Mandaten wiederhergestellt, in dem andere Parteien zusätzliche Sitze (Ausgleichsmandate) erhalten, um Überhangmandate auszugleichen.

Nach dem Tod der NPD-Kandidatin wird die Wahl im Wahlkreis Dresden I auf den 2. Oktober verschoben. Damit wird mindestens ein Sitz im Bundestag, der für die Mehrheit wichtig sein könnte, erst nachträglich einer Partei zufallen. Wenn die Wahl im Rest des Landes äußerst knapp ausgeht, könnte sogar die Verteilung der Zweitstimmen in dem Wahlkreis eine entscheidende Rolle spielen. Auch auf die Zahl der Überhangmandate könnte sich das Ergebnis auswirken.


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