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Teenager aus München auf dem Weg zum IS gestoppt

Der Zugriff erfolgte in letzter Minute: Ein Junge aus München, der nach Syrien in den Dschihad ziehen wollte, ist kurz vor der Grenze geschnappt worden. Offenbar hatten ihm Beobachter der Islamistenszene eine Falle gestellt.

Ein IS-Kämpfer in Rakka schwenkt die Fahne des Islamischen Staates

Ein IS-Kämpfer im syrischen Rakka schwenkt die Fahne des Islamischen Staates. Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz schließen sich mittlerweile sogar Kinder dem Kampf der Terroristen an

Er war auf dem Weg in den Dschihad und hatte sein Ziel schon fast erreicht: Ein Teenager aus München ist im türkischen Gaziantep nahe der syrischen Grenze festgenommen worden. Der inzwischen 14-jährige Junge sei aus einem Jugendheim in Dachau abgehauen und am vergangenen Freitag mit einem Reisebus aus Istanbul in der Stadt angekommen, berichtet der auf die Beobachtung der islamistischen Szene spezialisierte Internet-Blog "Erasmus-Monitor". Ein Kontaktmann habe ihn am Busbahnhof in Stadtzentrum abholen sollen, doch der sei nicht erschienen.

Da der zu dieser Zeit 13-Jährige kaum noch Geld bei sich gehabt habe und kein Türkisch spreche, habe er versucht, über Facebook Kontakt mit mutmaßlichen Islamisten aufzunehmen, die ihn nach Syrien bringen sollten, heißt es in dem Blogeintrag. Dabei sei er an einen Schein-Account von "Erasmus Monitor" geraten. Die Blogger hätten erkannt, dass ihr Chat-Partner kein Schwindler oder Wichtigtuer sei und umgehend die deutschen Sicherheitsbehörden verständigt.

Begleiterin an der Grenze abgefangen

Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden bestätigte stern.de, in den Fall eingebunden gewesen zu sein, wollte aber keine Details nennen. Laut dem Bericht von "Erasmus-Monitor wusste das BKA von der Reise des 13-Jährigen in die Türkei, kannte aber dessen genauen Aufenthaltsort nicht. Nach der Kontaktaufnahme durch die Blogger hätten sich die deutschen Ermittler mit der türkischen Polizei in Verbindung gesetzt. Während der Jugendliche im Chat hingehalten worden sei, hätten sich türkische Beamte auf den Weg zum Busbahnhof gemacht und den Jungen noch vor Ort festnehmen können.

Dem Bericht zufolge hatte der 13-Jährige seine Reise gemeinsam mit einer Verwandten angetreten, die in Syrien einen IS-Mann heiraten wollte. Während seiner Begleiterin jedoch wegen eines fehlenden Visums die Einreise in die Türkei verwehrt worden sei, habe der ungewöhnlich große Junge mithilfe eines in München gestohlenen Passes die Grenze passieren können.

Der inzwischen 14-jährige Junge ist den Sicherheitsbehörden schon länger bekannt. Er hatte sich an der Koran-Verteilaktion "Lies" beteiligt, die Salafisten 2011 gestartet hatten. Auch die besorgte Mutter wandte sich in der Vergangenheit hilfesuchend an die Behörden. Seit gut einer Woche wurde er in Bayern vermisst.

Der junge Münchner ist nicht der einzige Minderjährige aus Deutschland, der dem Lockruf der Islamisten erlegen ist. Unter dem Einfluss dschihadistischer Propaganda reisen laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz nach wie vor zahlreiche Jugendliche in die Krisengebiete in Syrien und im Irak. Selbst Kinder schlössen sich mittlerweile dem Kampf der Terroristen an, heißt es in einem Informationsblatt der Behörde. So lägen den Sicherheitsorganen Erkenntnisse zu einigen ausgereisten Minderjährigen vor, die vermutlich Kampferfahrung gesammelt hätten und mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrt seien.

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