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KANZLERGATTIN: »Gemach, Fräulein, gemach«

Erst kritisierte Doris Schröder-Köpf die Bild-Berichterstattung. Dann antwortete ihr über die Medien ein angeblicher Bild-Kolumnist. Jetzt ist klar: Der Text war Satire.

Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf ist in einer offenkundigen Satire zur Zurückhaltung aufgefordert worden, nachdem sie der »Bild«-Zeitung »Schmutz-Journalismus« vorgeworfen hatte. Ein Autor legte unter dem Namen des »Bild«-Kolumnisten Franz-Josef Wagner und angeblich im Auftrag von Verlegerin Friede Springer Schröder-Köpf nahe, »dezent im Hintergrund zu bleiben«.

Für bare Münze gehalten

Der dem Kürzel »flo« versehene Brief erschien am Mittwoch im Feuilleton der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Dahinter verbirgt sich Bestseller-Autor Florian Illies (»Generation Golf«). Auch die Nachrichtenagentur AP nahm ihn zunächst für bare Münze.

Vorausgegangen war ein im Internet veröffentlichtes Schreiben von Schröder-Köpf an Friede Springer, in dem sie eine Kolumne des Blattes heftig kritisierte. Darin war Bundespräsident Johannes Rau ihrer Meinung nach diffamiert worden. Sie warf dem Blatt Schmutz-Journalismus und Demokratieverachtung vor.

Brief sei »zweiter Klopper« nach Buch

Der vorgebliche Wagner antwortete unter anderem mit den Worten: »Gemach, Fräulein, gemach.« Er hielt Schröder-Köpf vor, dass sie als frühere »Bild«-Journalistin selbst Sätze geschrieben habe, die sie heute als Kanzlergattin bei anderen beanstande. Überdies stamme das Wort »Schmutzjournalismus« offenbar von SPD-Generalsekretär Franz Müntefering, der dem Blatt wegen der Berichterstattung über die Bonusmeilenaffäre eine Kampagne zu Gunsten der Union vorgeworfen hatte.

Ihr Brief an die Verlegerin sei der »zweite Klopper«, nachdem sie ihr Buch »Der Kanzler wohnt im Swimming-Pool« genannt habe. Bei der Titelwahl hätte ihr eine mögliche Verwechslung ihres Mannes mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping klar sein müssen, schrieb der angebliche »Bild«-Kolumnist.