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Wahlkampf "Nur dumm" und "vergiftet das Klima": Lauterbach und Laschet zoffen sich wegen Querdenker-Vorfall

Armin Laschet (l.) will Kanzler werden, Karl Lauterbach wirft ihm vor, sich dabei "einfach dumm" zu benehmen
Armin Laschet (l.) will Kanzler werden, Karl Lauterbach wirft ihm vor, sich dabei "einfach dumm" zu benehmen
© Mika Schmidt / Soeren Stache / DPA / Getty Images
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet liefern sich eine Fernfehde. Lauterbach hatte Laschet am Freitag heftig auf Twitter kritisiert. Der NRW-Ministerpräsident schoss am Samstag in einer Rede scharf zurück.

In drei Wochen werden die Wählerinnen und Wähler an die Urnen gebeten und es sieht nicht gut aus für Armin Laschet von der CDU. Von seinem Ziel, Nachfolger von Angela Merkel zu werden, ist er im Moment so weit entfernt wie wohl noch nie seit seiner Kandidatur.

Am Freitag hatte er einen seiner zahlreichen Wahlkampftermine, dieses Mal in Erfurt. Dort gab es allerlei Gegenwind für seine Politik aus den Zuschauerreihen und dann einen kleinen Schreckmoment. Plötzlich springt ein Mann auf die Bühne und geht auf Laschet zu. Sicherheitsleute kommen dazu, doch werden von Laschet mit demonstrativer Gelassenheit wieder weggeschickt. Der sichtlich aufgebrachte Zuschauer ohne Maske will vor allem über Corona reden und kommt Laschet dabei sehr nah. Immer wieder legt der CDU-Mann ihm daher die Hand auf die Brust und schiebt ihn etwas zurück, deutet ihm, doch bitte etwas ruhiger zu sein. Nachdem der Mann gesagt hat, was er sagen wollte, bittet Laschet ihn wieder von der Bühne zu gehen, was er auch tut – um dann aus dem Zuschauerraum noch weiter Dinge zu rufen. 

Der Mann springt von links auf die Bühne
Der Mann springt von links auf die Bühne
© Martin Schutt/ / Picture Alliance
Laschet schiebt den Mann sanft etwas von sich
Laschet schiebt den Mann sanft etwas von sich
© Michael Kremer/Geisler-Fotopress/ / Picture Alliance

Laschet für gelassene Reaktion gefeiert

Für seine gelassene und souveräne Art, mit dem Störer umzugehen, erntete Laschet viel Zuspruch und Lob. Wie sich später rausstellen sollte, handelte es sich bei dem Mann um einen Anhänger der sogenannten Querdenker-Szene. Das rief den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach auf den Plan. Der teilte am Freitag die Szene auf Twitter und schrieb dazu bissig: "Unfassbar. Armin Laschet lässt sich von einem Querdenker ohne Maske mit 20 cm Abstand anschreien. Das ist keine Bürgernähe sondern einfach dumm."

Den Ball nahm Laschet dann am Samstag auf, während seiner Rede auf dem Parteitag der CDU Brandenburg in Potsdam. Der Kanzlerkandidat sprach von einem "aggressiven und gespaltenen" Land und davon, dass die Lage zu ernst sei, als dass man sich nur anbrüllen sollte und berichtet von dem Vorfall in Erfurt. Der Mann habe seine Anliegen vortragen dürfen. "Zwei Dinge habe ich nicht geteilt und habe ihm direkt widersprochen. Das dritte war keine Impfpflicht für Kinder in den Schulen. Und das konnte ich ihm zusagen", so Laschet. "Ich glaube, so müssen wir damit umgehen."

"Es ist erstaunlich, dass Armin Laschet das Problem nicht versteht"

Weil aber ja Wahlkampf ist, ließ er die Gelegenheit nicht aus, eine kleine Spitze zurück in Richtung Lauterbach zu schicken. Mit seiner Aussage "vergifte" dieser das Klima. "Wenn wir den Menschen nicht mehr zuhören, wenn wir nicht mehr Antwort geben, dann wird das gesellschaftliche Klima noch rauer werden, als es heute ohnehin schon ist."

Daraufhin griff Lauterbach das Thema via Twitter erneut auf, schrieb: "Es ist erstaunlich, dass Armin Laschet das Problem nicht versteht. Ich habe nicht kritisiert, dass er sich von einem Querdenker anschreien lässt. Nur dass er sich auf 20cm Abstand dabei ohne Masken anschreien lässt. Ich rede mit Querdenkern. Lasse mich dabei aber nicht gefährden", so der SPD-Mann.

In das Fernduell mischte sich via Twitter kurioserweise ein prominenter TV-Moderator ein. Fußball-Experte und Kult-Kommentator Frank Buschmann schrieb unter Lauterbachs ersten Tweet, der auf "Das ist keine Bürgernähe sondern einfach dumm" endete, schlicht: "Herr Lauterbach, es ist gut jetzt!"

Noch ein Seitenhieb auf Scholz

Laschet kritisierte in Brandenburg noch einen weiteren SPD-Politiker. Sein in jüngsten Umfragen deutlich vor ihm liegender Konkurrent Olaf Scholz hatte zuvor für das Impfen mit folgenden Worten geworben: "50 Millionen sind jetzt zwei Mal geimpft. Wir waren ja alle die Versuchskaninchen für diejenigen, die bisher abgewartet haben. Deshalb sage ich als einer dieser 50 Millionen – es ist gut gegangen! Bitte macht mit", sagte Scholz in einem Interview der NRW-Lokalradios. Dafür ging ihn Laschet scharf an: "Menschen sind keine Versuchskaninchen in diesem Land." Scholz solle sich von solchen Begriffen distanzieren.

In Umfragen ist die SPD mit 25 Prozent zuletzt an der Union vorbeigezogen, die auf 20 bis 22 Prozent kommt. Scholz liegt bei mehreren Erhebungen auch im persönlichen Vergleich klar vor Laschet.

Quelle: Twitter

fin

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