Kinderhilfswerk Was ist los bei Unicef?


Dubiose Geschäfte, Misswirtschaft und dann der Rücktritt der Chefin Heide Simonis: Das Image von Unicef ist stark angekratzt. Nun werden erneut Forderungen nach mehr Transparenz laut und sogar der Entzug des Spendensiegels droht. Die Geschichte der Chaoswochen beim Kinderhilfswerk.

Bereits seit November vergangenen Jahres erschüttern Vorwürfe die deutsche Unicef-Sektion. Angebliche Misswirtschaften und Verschwendung von Spendengeld stehen dabei im Mittelpunkt. Seitdem ermittelt auch die Kölner Staatsanwaltschaft gegen Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs wegen des Verdachts der Untreue.

Ihm wird vorgeworfen, fragwürdige Provisionen für Spendenvermittler, hochdotierte Beraterverträge für pensionierte Unicef-Mitarbeiter sowie kostspielige Umbauten für die Kölner Zentrale aus Spendengeldern des Kinderhilfswerkes finanziert zu haben. So war in einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" Ende November 2007 unter anderem davon die Rede, Unicef vergütete die freie Weiterbeschäftigung eines in Rente gegangenen Mitarbeiters mit 300.000 Euro.

Seitdem sind immer neue Details an die Öffentlichkeit gelangt. Der Verdacht liegt nahe, dass bei Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, allzu freizügig mit den Spendengeldern umgegangen wird. Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf alle anderen Hilfsorganisationen. Und er verärgert Menschen, die darauf vertrauen, dass ihre Spende bei den Kindern ankommt.

Geschäftsführung und Vorstand weisen Vorwürfe zurück

Geschäftsführung und Vorstand weisen jedoch alle Vorwürfe zurück. Die Unicef-Chefin Simonis hingegen ging auf Distanz, forderte Garlichs auf, sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. Kurz darauf sprach die ehemalige Politikerin Garlichs im Namen des Vorstandes das Vertrauen aus und dementierte sogar Berichte, es habe zwischen ihnen grundlegende Differenzen gegeben. Ein Zickzack-Kurs, der Simonis eher geschadet und den umstrittenen Geschäftsführer gestützt hat.

Unabhängige Wirtschaftsprüfer bescheinigten Garlichs, es habe keinerlei Hinweise auf persönliche Bereicherung gegeben. Der Unicef-Vorstand schlussfolgerte daraus: "Die gemachten Vorwürfe sind falsch. Es gab keine Verschwendung von Geldern, keine Unregelmäßigkeiten oder gar Satzungs- oder Gesetzesverstöße."

Simonis hingegen beklagt, "dass von der KPMG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Verstöße gegen bestehende Regeln der Vergabe, Durchführung und Kontrolle von Transaktionen festgestellt wurden". KPMG hat sich mittlerweile auch zu Wort gemeldet: Die Gesellschaft wirft der Organisation nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" in einem Brief vor, die Ergebnisse einer Sonderuntersuchung zu den Vorwürfen falsch wiedergegeben zu haben.

Simonis Fazit nach ihrem Rücktritt: Unicef brauche Reformen wie die "Herstellung völliger Transparenz des Spendenaufkommens und der Projektabwicklung". Eine konstruktive Arbeit mit dem Vorstand, sagt sie, sei ihr unmöglich geworden. "Unsere Ansichten divergieren in unüberbrückbarer Weise." Ein Vorstandsmitglied betont, die Forderungen nach mehr Transparenz seien im Vorstand angekommen. Die ehrenamtlichen Mitglieder wollten sich für organisatorische Reformen stark machen. Die Geschäftsordnung sei veraltet, räumt das Vorstandsmitglied ein.

Nach Simonis Rücktritt wählte der Vorstand den früheren Unicef-Chef Reinhard Schlangintweit "für eine Übergangszeit" zum neuen Vorsitzenden. Schlangintweit will zwar Konsequenzen aus den Vorwürfen ziehen, verteidigt aber den umstrittenen Geschäftsführer Garlichs: Außer einer "gewissen Großzügigkeit und Unbekümmertheit und vielleicht auch ein bisschen Sorglosigkeit" sei dem Geschäftsführer nichts vorzuwerfen.

Unicef hat nach dem internen Machtkampf an Ansehen bereits eingebüßt: Im Dezember blieben die Spenden ungefähr um 3,5 Millionen Euro hinter den geplanten Einnahmen zurück. Und nun droht zusätzlicher Ärger. Als Konsequenz aus den Verschwendungsvorwürfen überprüft das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) jetzt das Spendensiegel für Unicef : "Wir schauen, ob die Vorwürfe irgendwelche Konsequenzen auf das Spendensiegel haben", sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke den "Stuttgarter Nachrichten".

zen mit DPA/AP AP

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