Kofferbomber Die Spur führt nach Düsseldorf


Ein Zeitungsbericht bringt den festgenommenen mutmaßlichen "Kofferbomber" mit einem Düsseldorfer Terrornetzwerk in Verbindung. Außerdem soll er mit der islamistischen "Partei der Befreiung" sympathisieren.

Bei der Fahndung nach dem zweiten mutmaßlichen "Kofferbomber" weisen Spuren einem Zeitungsbericht zufolge nach Düsseldorf. Die beiden Verdächtigen sollen einem Netzwerk angehören, das in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal in Erscheinung getreten sei, berichtete die "Bild"-Zeitung ohne Nennung von Quellen. Weiter schrieb das Blatt, die Fahnder gingen von Querverbindungen zwischen dem verhafteten Youssef Mohamad E.H. und dem zweiten Täter aus. Beide Männer müssten sich schon früher gekannt haben.

Fahnder hatten den 21-Jährigen am Samstagmorgen in Kiel festgenommen. Er wird verdächtigt, zusammen mit weiteren Mitgliedern einer terroristischen Vereinigung einen Anschlag auf zwei Regionalzüge in Dortmund und Koblenz versucht zu haben. Außerdem wird dem Studenten versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen vorgeworfen. Seit Sonntag sitzt er in Untersuchungshaft. Die Fahndung nach dem zweiten Verdächtigen, der wie Youssef Mohamad E. H. von Videokameras auf Bahnhöfen gefilmt worden war, läuft auf Hochtouren.

Verbindungen zu Islamisten aufgedeckt

Das Umfeld des in Kiel festgenommenen Studenten soll Verbindungen zu der islamistischen und anti-israelischen Partei Hizb ut-Tahrir unterhalten, schreibt der Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Die Anfang 2003 vom Bundesinnenministerium verbotene Organisation ("Partei der Befreiung") will alle Muslime in einem Gottesstaat vereinigen.

Mehrere Mitglieder des Clans des 21-jährigen Libanesen seien "problematisch", hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Experten halten es demnach für denkbar, dass Youssef Mohamad von Hizb ut-Tahrir oder von Sympathisanten der Partei in seiner Familie den Anstoß zur Radikalisierung bekam, die zu den fehlgeschlagenen Bahn-Anschlägen zweier Täter führten. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte erst Ende Januar das Verbot der islamistischen Partei bestätigt.

Verfassungsschutz prüft Verbindung nach Hamburg

Der Verfassungsschutz prüft außerdem eine mögliche Verbindung der Bombenleger nach Hamburg. Dort hatten einige der Attentäter des 11. September 2001 als Studenten gelebt. Bisher gebe es allerdings keine Hinweise, dass die fehlgeschlagenen Kofferbombenanschläge von Hamburg aus geplant worden seien, sagte der stellvertretende Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, Manfred Murck, im Sender NDR Info.

Zu dem verhafteten mutmaßlichen Attentäter von Kiel sagte er, es stelle sich "die Frage, ob der Mann tatsächlich so unauffällig war, wie jetzt gesagt wird". Murck rief die Bürger generell zu mehr Aufmerksamkeit auf. Jede auffällige Person solle dem Verfassungsschutz gemeldet werden.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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