Kommentar Köhler vs. Schwan: Faszinierendes Duell


Bundespräsident Horst Köhler will es noch einmal wissen, und die SPD wird Gesine Schwan aller Voraussicht nach ins Rennen schicken. Das erneute Duell der beiden Kandidaten ist mehr als nur der Wettbewerb zwischen zwei Personen. Jetzt steht die Entscheidung zwischen den beiden Partnerparteien der Großen Koalition bevor.
Von Hans Peter Schütz

Alle Achtung! Horst Köhler hat die Herausforderung einer Kampfkandidatur ums Amt des Bundespräsidenten angenommen. Vielleicht auch deshalb, weil er sich nicht als ein amtierender Präsident beschrieben sehen wollte, der nur dann für eine zweite Amtszeit bleiben will, wenn sie ihm auf dem Silbertablett einer übergroßen Mehrheit serviert wird. Und natürlich ist es ein faszinierendes Ereignis für die Bundesrepublik, wenn jetzt die beiden Menschen wieder gegeneinander antreten, die dies schon vor vier Jahren getan haben.

Das erneute Duell Gesine Schwan gegen Horst Köhler ist bei diesem Kräftemessen im Übrigen mehr als nur der Wettbewerb zwischen zwei Personen, wie dies letztlich vor vier Jahren der Fall war. Jetzt steht bei überaus knappen Kräfteverhältnissen in der kommenden Bundesversammlung die Entscheidung zwischen den beiden Partnerparteien der Großen Koalition bevor. Zwischen zwei Volksparteien, deren Gemeinsamkeiten längst aufgebraucht sind, die mehr gegen- als miteinander arbeiten.

Zudem wird Gesine Schwan mit Sicherheit erneut eine Bewerberin, die ihre Kandidatur mit klaren politischen Argumenten unterlegen wird. Das wird für CDU/CSU und FDP auf der einen Seite keine Schmeicheleien für ihren künftigen politischen Kurs bringen. Und der SPD-Führung werden mit Sicherheit all jene Fragen nach dem künftigen politischen Kurs gestellt werden, an denen sich die amtierende SPD-Führung – Kurt Beck und Frank-Walter Steinmeier voran – bisher vorbeidrückt haben.

Es ist zwar richtig, dass die SPD sich bisher noch nicht offiziell zur Frage geäußert hat, ob sie tatsächlich noch einmal mit Gesine Schwan antritt. Aber letztlich kommt sie an dieser Kandidatin gar nicht mehr vorbei, auch wenn viele potenzielle SPD-Wähler durchaus mit Köhler zufrieden sind.

Die Hälfte der SPD-Bundestagfraktion will Gesine Schwan, mindestens die Hälfte. Altkanzler Gerhard Schröder hat soeben zu ihrem 65. Geburtstag eine Laudatio auf sie geschrieben. Er hat von ihrer politischen Klugheit und ihrer strategischen Weitsicht geschwärmt und massiv die Hoffnung zu Papier gebracht, dass diese Frau der Politik in Deutschland unbedingt mit Rat und Tat verbunden bleiben solle. Dass der Altkanzler dies getan hat bei einer Frau, die einst von Willy Brandt wegen Missachtung des damaligen linken Kurses der SPD aus der Grundwertekommission geworfen wurde, macht sein Loblied zusätzlich bedeutend. Schröder hat damit Beck gesagt, wo es hingehen muss.

Signal für eine Volkspartei

Die SPD-Führung ist gut beraten, wenn sie sich jetzt zu Gesine Schwan nicht nur als Notnagel bekennt, der ihr von linken Teilen der Partei und dem Altkanzler gegen ihren Willen ins Fleisch getrieben worden ist. Sie muss vor allem endlich den Mut finden, sich zu dieser Frau ebenfalls zu bekennen. Es darf für die SPD keine Rolle spielen, dass wahrscheinlich auch die Linkspartei am Ende für sie votieren wird. Die polemische Behauptung einiger führender Genossen, dass damit angeblichen Verfassungsfeinden die Hand für eine Koalition nach der Bundestagwahl gereicht werde, ist absurd.

Gesine Schwan ist das Signal der immer noch existierenden Volkspartei SPD, dass in ihr noch Persönlichkeiten existieren, die sich mit einem Horst Köhler ebenso messen können wie mit einem Oskar Lafontaine. Würde nun auch ihre Kandidatur in den Treibsand politischer Taktiererei gesetzt, durch den sich Beck und Steinmeier vor allem auszeichnen, dann muss man die Volkspartei SPD tatsächlich abschreiben.


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