Koordinierungsrat Muslime gründen Dachorganisation


Vier große muslimische Organisationen in Deutschland wollen erstmals mit einer Stimme sprechen. Sie haben einen Koordinierungsrat gegründet, Die Politik hatte dies mehrfach gefordert, um einen übergeordneten Ansprechpartner zu haben.

Vier muslimische Organisationen in Deutschland haben einen gemeinsamen Dachverband gegründet. Der neue Koordinationsrat der Muslime (KRM) werde die Interessen der Muslime vertreten und Ansprechpartner für die Politik sein, sagte der Dialogbeauftragte vom türkischen Religionsverband Ditib, Dekir Alboga, in Köln. Außer der Ditib gehören zu dem Verband der Zentralrat der Muslime in Deutschland, der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und der Verband der islamischen Kulturzentren.

Die Verbände verkündeten die Gründung bei einer großen Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed in der Kölnarena. Eine gemeinsame Geschäftsordnung sei bereits am 28. März unterzeichnet worden, sagte Alboga. Zwar arbeite jeder der Mitgliedsverbände weiter eigenständig: "Aber es wurde Zeit, dass die Muslime hinsichtlich gemeinsamer Interessen einheitlich handeln." Das betreffe solche Themen wie den Wunsch nach islamischem Religionsunterricht.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüße diesen Schritt als wichtig und gut, sagte ein Ministeriumssprecher. Es sei ein Schritt zum richtigen Zeitpunkt, um die Gespräche positiv zu inspirieren. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hatte in einem AP-Interview die Gründung eines muslimischen Dachverbandes grundsätzlich begrüßt. "Beim Dialog ist es wichtig, verlässliche Partner zu haben", sagte er. Es müsse sich aber zeigen, wie repräsentativ ein solcher Dachverband für die Gesamtheit der Muslime in Deutschland werde.

Der Vorsitz des neuen Koordinationsrates soll alle sechs Monate wechseln, den Anfang macht der Zentralrat der Muslime. Bislang vertrete der KRM rund 90 Prozent der deutschen Moschee-Gemeinden, sagte Alboga.

  • In Deutschland leben rund 3,2 Millionen Menschen muslimischer Prägung. Nur etwa zehn bis 15 Prozent von ihnen sind in Moscheenvereinen und anderen Organisationen zusammengeschlossen. Folgende Verbände haben den Koordinierungsrat der Muslime (KRM) gegründet:
  • ISLAMRAT FÜR DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND: Der 1986 in Berlin gegründete Islamrat vereint mehr als 30 Organisationen. Nach eigenen Angaben gehören ihm mehr als 145.000 Mitglieder an, die überwiegende Mehrheit ist türkischer Herkunft. Dem Verfassungsschutz zufolge, der die islamistische Milli Görüs (IGMG) beobachtet, soll IGMG den Islamrat dominieren. Der Islamrat sieht sich als "Brücke zwischen Deutschland und der islamischen Welt".
  • ZENTRALRAT DER MUSLIME: Der 1994 als Nachfolge-Organisation des Islamischen Arbeitskreises gegründete Verband hat sich als wichtiger Ansprechpartner der Politik etabliert. Zum Zentralrat, der insbesondere Muslime aus den Ländern Nordafrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens vertritt, gehören nach eigenen Angaben 300 Vereine.
  • TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION (DITIB): Die Organisation versteht sich als Dachverband der türkisch-islamischen Vereine in Deutschland. In der DITIB sind nach eigenen Angaben über 880 Moscheenvereine und etwa 220.000 Mitglieder organisiert. Der 1984 gegründete Verband gilt als stark von der staatlichen Religionsbehörde der Türkei beeinflusst.
  • VERBAND DER ISLAMISCHEN KULTURZENTREN (VIKZ): Der VIKZ geht auf das 1973 gegründete Islamische Kulturzentrum Köln zurück. Nach eigenen Angaben besteht der VIKZ aus etwa 300 Gemeinden und rund 24.000 Mitgliedern. Im Jahr 2003 begann der VIKZ mit der Errichtung eigener Schülerwohnheime. Zwei dieser Heime wurden 2005 in Hessen geschlossen, weil sie angeblich "Abschottungstendenzen" bei Zuwanderern förderten.
AP/DPA AP DPA

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