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Migrationsrat zu Pegida: "Wir müssen Deutschsein anders definieren"

Durch unsere Gesellschaft geht ein Riss: Die einen befürworten Vielfalt, die anderen wollen in Deutschland für sich bleiben. So geht das nicht, findet der Migrationsrat und fordert ein neues Konzept.

Auf "pegida" gäbe es keine schnelle Antwort. Deutschland bräuchte eine langfristige Strategie im Umgang mit Anti-Ausländer-Bewegungen, so die Migrationsforscher.

Auf "pegida" gäbe es keine schnelle Antwort. Deutschland bräuchte eine langfristige Strategie im Umgang mit Anti-Ausländer-Bewegungen, so die Migrationsforscher.

Auch im neuen Jahr sind die Demonstrationen der Pegida-Bewegung wieder Thema. Längst nicht mehr nur in Dresden. Gleich in zwölf Städten soll heute aufmarschiert werden. Auch in Berlin findet unter dem Namen "Bärgida" erstmalig eine Ableger-Veranstaltung statt.

Grund genug für den Rat für Migration (RfM), sich mit einer Pressekonferenz zu Wort zu melden und Empfehlungen auszusprechen, wie mit rechtspopulistischen Argumenten besser umgegangen werden kann. Nach Ansicht der Migrationsforscher sind die Anti-Islam-Proteste der Pegida-Bewegung eine Spätfolge des alten CDU-Leitbildes "Deutschland ist kein Einwanderungsland". Dies müsse sich ändern, sagte der Vorsitzende des Rats für Migration, Werner Schiffauer und fügt hinzu: "Es ist wichtig, dass wir den Begriff 'Wir Deutsche' neu definieren." Die Strategie der CSU, die jetzt versuche, am rechten Rand zu fischen, sei dagegen falsch.

Kein deutscher Alleingang

Ein neues Leitbild solle von einer überparteilichen Kommission erarbeitet werden, etwa unter der Federführung der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. Dabei sei wichtig, gleich auch auf europäischer Ebene zu denken. "Nationale Bewegungen existieren europaweit. Ein deutscher Alleingang wäre nicht denkbar," so Schiffauer.

Studien hätten gezeigt, dass es keineswegs Menschen mit Angst vor dem sozialen Abstieg seien, die sich jetzt gegen Zuwanderung und gegen Muslime positionierten, betonte Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld. Die stärksten Vorurteile seien vielmehr bei Menschen zu finden, "die an der Funktionsfähigkeit der Politik zweifeln".

Frau mit Kopftuch nicht deutsch?

Eine aktuelle Studie der Berliner Humboldt-Universität zeigt, dass die meisten Menschen jemanden als "Deutschen" wahrnehmen, wenn er gut deutsch spricht und einen deutschen Pass hat. Allerdings sind immerhin 38 Prozent der Bevölkerung der Ansicht, eine Frau, die ein Kopftuch trage, könne nicht deutsch sein.

grete/dpa / DPA