HOME

Mordprozess: Hoffmann soll auch Adelina getötet haben

Fünf Verhandlungstage hat der mutmaßliche Mörder von Levke und Felix, Marc Hoffmann, geschwiegen. Jetzt sprechen andere für ihn - und berichten von weiteren Verbrechen.

Grausame Details sind bisher im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Levke und Felix zur Sprache gekommen. Doch Marc Hoffman selbst schweigt - ganz so, wie es sein Anwalt Jost Ferlings schon zum Prozessauftakt am 9. Mai angekündigt hatte: "Für weitere Rückfragen steht Herr Hoffmann nicht mehr zur Verfügung." Doch obwohl Hoffmann im Gerichtssaal beharrlich die Aussage verweigert, bekommen die drei Richter und zwei Schöffen des Landgerichts Stade etwas von ihm zu hören - über Aussagen, die er bei seinen Vernehmungen vor der Polizei gemacht hat.

Ein Ermittler berichtete dem Gericht etwa von der Vernehmung eines Zellengenossens von Hoffman. Die Aussage des Mithäftlings gab dem bereits seit langem bestehenden Verdacht, Hoffmann habe auch die zehnjährige Adelina aus Bremen getötet, neue Nahrung: "Er hat gesagt, dass Marc Hoffmann die Tötung von Adelina mit den Worten gestanden hat: Da bin ich noch mal schwach geworden."

Die Spur führt zu Hoffmann

Adelina war am 28. Juni 2001 in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung in Bremen entführt worden. Sie war auf dem Heimweg spurlos verschwunden. Am 7. Oktober 2001 kam für ihre Eltern dann die Gewissheit: Eine Pilzsammlerin fand die Leiche der Zehnjährigen in einem Müllsack verpackt in einem Wäldchen südlich von Bremen. Schon damals gingen die Ermittler von der Tat eines pädophilen Sexualverbrechers aus. Anfang des Jahres war auch Marc Hoffmann ins Visier der Bremer "Soko Adelina" geraten. Bei einer Durchsuchung von Hoffmans Wohnung verhärtete sich der Verdacht. Die Beamten fanden dort auffällige Perlen. Perlen wie sie die Ermittler auch am Fundort der Leiche Adelinas entdeckt hatte. Nach einem Zeitungsbericht waren damit die Schuhe des Mädchens verziert. Allerdings konnte damals nicht bestätigt werden, dass die gefundenen Perlen "kompatibel" sind.

Wie jetzt bekannt wurde, scheinen neben dem Mord an Adelina sogar noch weitere Verdachtsmomente gegen Hoffmann vorzuliegen. Erstmals erzählten Beamte im Detail, welche angeblichen Verbrechen Hoffmann dem Mithäftling noch gestanden haben soll. Der Aussage des Mithäftlings nach soll Hoffmann auch Morde an einem Mädchen und einem Jungen in Ostdeutschland zugegeben haben. Den Jungen habe er an einer Autobahnraststätte vergraben. Auch von Morden an zwei Anhalterinnen habe er gesprochen. Eine will er in Bremerhaven erschossen, die andere bei Schwerte in bewusstlosem Zustand vergraben haben. Zusammen mit einem Freund habe er zudem eine junge, betrunkene Frau in Bremerhaven vergewaltigt, durch einen Kopfschuss getötet und die Leiche dann mit einer Handgranate verstümmelt.

Hoffmann leugnet

Die Angaben des Mithäftlings seien aber örtlich und zeitlich sehr unkonkret gewesen, berichtete der Polizist. Dieser habe sich durch die Aussage offenbar Vorteile für seinen eigenen Prozess erhofft. Zudem habe Hoffman nach Angaben eines weiteren Beamten bei fünf Vernehmungen die Verbrechen bestritten und erklärt, er habe bereits "reinen Tisch gemacht". Es gebe "nichts mehr zu gestehen". Hoffmann habe auch darauf bestanden, dass er mit Adelina "nichts zu tun" habe, berichtete der Ermittler. Als das Gespräch auf diesen Fall gekommen sei, habe Hoffmann "emotional sehr stark reagiert" und die Vernehmung abgebrochen.

Hoffmann hatte in Vernehmungen überdies zugegeben, regelmäßig zu Prostituierten auf dem Straßenstrich von Bremerhaven gegangen zu sein. Er habe dort "viel Geld gelassen" und "versucht, Stress abzubauen". Das Gericht will auch eine Prostituierte aus Hamburg als Zeugin laden, die als Domina gearbeitet hat. Sie hatte sich an das Gericht gewandt und erklärt, Hoffmann sei 2003 sechs bis sieben Mal bei ihr gewesen und habe beim ersten Besuch Fotos mit Kinderpornografie dabei gehabt.

Befangenheitsantrag gestellt

Auf Beschluss des Gerichts sollen auch noch weitere Zeugen gehört werden, darunter ein Jugendfreund Hoffmanns und die Schwester des Freundes. Die Verteidiger gehen davon aus, dass sie über pädophile Übergriffe von Hoffmanns Vater berichten können. Bis die neuen Zeugen gehört werden können, muss allerdings zunächst über einen Befangenheitsantrag gegen das Schwurgericht entschieden werden. Die Verteidiger des Angeklagten hatten einen entsprechenden Antrag gestellt, weil die Kammer bei der Vernehmung eines Psychologen die Öffentlichkeit nicht ausschließen wollte. Sie wertete das Interesse der Öffentlichkeit höher als die Schutzrechte des Angeklagten, so die Anwälte. Über den Antrag muss jetzt eine zweite Kammer entscheiden.

AP/DPA / AP / DPA