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München Statt 20.000 kamen nur 4000 Demonstranten zur G7-Demo. Trotzdem gab es Rangeleien mit der Polizei

Zu den Demonstrationen vor dem G7-Gipfel kamen 3500 Menschen
Teilnehmer gehen an der U-Bahn-Station Poccistraße in der Stadt bei einer Großdemonstration der G7-Kritiker für einen besseren Klima- und Artenschutz und gegen Hunger und Armut vorbei
© Daniel Karmann / DPA
Der G7-Gipfel auf Schloss Elmau sollte von tosenden Demonstrationen in München begleitet werden. Doch einen Tag vorher ist es dort ziemlich ruhig. Nur wenige haben den Weg gefunden – viel weniger als angekündigt.

Mit etwa 4000 Teilnehmern haben nach Angaben der Polizei am Samstag in München die Proteste gegen den G7-Gipfel auf Schloss Elmau begonnen. Eine Kundgebung auf der Theresienwiese verlief friedlich, es habe keinerlei Zwischenfälle gegeben bisher, sagte ein Polizeisprecher. Die Veranstalter sprachen von rund 6000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Erwartet hatten sie eigentlich rund 20 000 Menschen.

Am Samstagnachmittag kam es dann allerdings kurzzeitig zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Wie ein dpa-Reporter berichtete, gab es nach der Festnahme eines Demonstranten Rangeleien zwischen Aktivisten und Beamten. Polizeisprecher Andreas Franken sagte: "Ein Teil der Veranstaltung hat sich kurzfristig vom Aufzug entfernt. Nach meinem aktuellen Kenntnisstand war das eine Solidarisierung aus dem Bereich des schwarzen Blocks nach einer erfolgten Festnahme."

Ein Bündnis zahlreicher Organisationen hatte zu der Großkundgebung auf der Theresienwiese und zu einer anschließenden Demonstration durch die Münchner Innenstadt aufgerufen. Teilnehmer trugen Fahnen mit Aufschriften wie "Fossile stoppen – Klima retten". Eine Rednerin der Umweltschutzorganisation Greenpeace sagte vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine, "während uns der Krieg in Atem hält, spitzt sich die Klimakrise immer weiter zu. Wer Frieden will, muss raus aus den fossilen Energien."

Die Kritiker des am Sonntag auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen beginnenden G7-Gipfels fordern als Konsequenz aus dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ein schnelles Ende der Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle. Außerdem verlangen sie einen konsequenten Kampf gegen Klimakrise und Artensterben sowie mehr Einsatz gegen Hunger, Armut und Ungleichheit. Zum Trägerkreis des Protestbündnisses zählen der WWF, Greenpeace, Attac, Campact und Brot für die Welt.

Großaufgebot der Polizei wegen angekündigter Demos in München

Die Proteste in München sind der Auftakt einer ganzen Reihe an Kundgebungen und Demonstrationen, die den von Sonntag bis Dienstag dauernden G7-Gipfel auf Schloss Elmau begleiten. Deutschland ist turnusgemäß Gastgeber des Treffens von Staats- und Regierungschefs. Erwartet auf Schloss Elmau werden unter anderem US-Präsident Joe Biden und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Entsprechend hoch sind auch die Schutzmaßnahmen für die internationalen Gäste. Einen Tag vor dem Treffen auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen kontrolliert die bayerische Polizei an 20 Stellen die Zufahrtsstraßen. "Es geht uns darum, den überregionalen Durchgangsverkehr zu filtern, damit hier der Verkehr halbwegs am Laufen bleibt", sagte die Sprecherin der bayerischen Polizei beim G7-Gipfel, Carolin Englert, am Samstag.

Lieferverkehr, Touristen mit Buchung in der Gegend oder Besucher mit privaten Zielen dürften passieren – andere Fahrzeuge könnten aber zurückgeschickt werden. Es seien viele Einsatzkräfte unterwegs, deshalb solle der überregionale Verkehr umgeleitet werden.

Keine Störer, keine Festnahmen und ruhiger Verkehr

Mutmaßliche Störer bei den geplanten Demonstrationen seien von der bayerischen Polizei bisher nicht herausgezogen worden, sagte Englert. "Wir haben bisher niemanden feststellen können, den wir als gewaltbereit einstufen würden." Entsprechend sei in der sogenannten Gefangenensammelstelle im Ort noch viel Platz. Dort sind in Containern Arrestzellen für rund 150 Personen eingerichtet.

Die Bundespolizei, die an den Grenzen eigene Kontrollstellen eingerichtet hat, meldete von dort einige Festnahmen, unter anderem wegen Drogendelikten oder im Zusammenhang mit Schleusungen, jedoch ohne G7-Bezug, wie ein Sprecher am Freitag sagte.

Am Freitagmittag herrschte vor Garmisch-Partenkirchen ruhiger Verkehr. Auf den Straßen war weniger los als sonst an Wochenenden mit gutem Wetter, wenn die Gegend von einer regelrechten Ausflugswelle überrollt wird.

Einheimische grüßten beim Vorbeifahren die Beamten – viele der Polizisten sind seit Wochen im Ort. Kinder brachten den Beamten Spezi – und bekamen dafür Süßigkeiten. Anfangs habe er Angst gehabt, sagt ein Neunjähriger. Jetzt hat er einen neuen Traumberuf: Polizist.

cl DPA AFP

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