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Nach verheerendem NSU-Abschlussbericht: Thüringen bittet Angehörige um Vergebung

Erst am Donnerstag hatte der NSU-Abschlussbericht schwere Ermittlungsfehler offengelegt. Nun hat Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt.

Angehörige der Opfer und Diplomaten ihrer Herkunftsländer Griechenland und Türkei bei der Sondersitzung des thüringischen Landtags

Angehörige der Opfer und Diplomaten ihrer Herkunftsländer Griechenland und Türkei bei der Sondersitzung des thüringischen Landtags

Fehler, Pannen, falsche Entscheidungen: Die Bilanz des NSU-Untersuchungsauschusses in seinem Abschlussbericht ist verheerend. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat sich nun bei den Angehörigen der NSU-Opfer für das Versagen der Ermittlungsbehörden entschuldigt. "Beschämt muss ich den Angehörigen von Opfern und den Verletzten des Nagelbombenanschlags in Köln bekennen: Unsere Behörden haben versagt", sagte Lieberknecht in einer Sondersitzung des Thüringer Landtags. Sie sprach von Scham und Trauer und bat um Vergebung.

Die drei Mitglieder der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU), die für zehn Morde, Sprengstoffanschläge und mehrere Banküberfälle verantwortlich gemacht werden, stammen aus Thüringen. Lieberknecht erklärte, Landtag und Regierung des Bundeslandes stünden für eine vollständige, schonungslose und transparente Aufklärung der NSU-Verbrechen. Das sei die Voraussetzung, um der Vertrauenskrise zu begegnen, "in die uns das Versagen der Behörden gestürzt hat".

Der Landtag debattierte den Abschlussbericht des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses. Er bescheinigt Verfassungsschutz, Polizei und Staatsanwaltschaft Versagen und spricht von einem Desaster bei der Verfolgung der Neonazi-Terroristen.