Oskar Lafontaine "Beck geschieht Unrecht"


Kurt Beck bekommt Rückendeckung von ungewohnter Seite: Oskar Lafontaine findet, dass man für die Krise der SPD nicht alleine Kurt Beck verantwortlich machen könne. Die Schuldigen seien vielmehr in der Vergangenheit der Partei zu suchen, so der Linke-Chef.

Der Linke-Vorsitzende Oskar Lafontaine nimmt SPD-Chef Beck gegen seine Kritiker in Schutz. Er könne nicht nachvollziehen, warum vor allem Beck für den Zustand der angeschlagenen SPD verantwortlich gemacht werde, sagte er "Spiegel Online". "Das ist ungerecht. Die SPD-Krise hat eine ganz klare Ursache: Der Identitätskern der Partei ist verloren gegangen."

Verantwortlich dafür seien in erster Linie der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder und der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering. Lafontaine forderte die SPD zu mehr Offenheit hinsichtlich einer möglichen rot-roten Zusammenarbeit auf.

Thierse kritisiert "Rudeljournalismus"

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse kritisierte den Umgang der Medien mit SPD-Chef Beck. Im Deutschlandfunk sprach er von "Rudeljournalismus ... unter der Anführung parteiischer Medien", die mit der SPD keine Sympathie verbinde. Beck habe bei der Fraktionssitzung am Dienstag mit dem Satz, er klebe nicht an seinem Stuhl, das "genaue Gegenteil" einer Rücktrittsdrohung geäußert. Der SPD-Chef habe gesagt, er lasse sich durch nichts und niemanden beirren, er klebe nicht an seinem Sessel, es gehe nicht um ihn sondern um die SPD.

Thierse räumte Fehler in den eigenen Reihen ein und mahnte die SPD zu mehr Disziplin und Geschlossenheit. "Ich kritisiere, dass Politiker meinen, Politik machen zu können, indem sie Journalisten etwas stecken. Und ich kritisiere, dass Journalisten de facto Politik machen, indem sie Politiker dazu bringen, etwas zu sagen, etwas rauszulassen, was sie dann in einen eigenen Interpretations- und Berichtszusammenhang stellen können."

Lafontainer äußerte sich in dem Interview auch zur

Schwans Avancen für Lafontaine nicht überraschend

Position seiner Partei gegenüber der SPD-Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan. So sei er nicht überrascht, dass sie sich eine Zusammenarbeit mit der Linken vorstellen könne, wie Schwan jüngst sagte: "Das deckt sich mit vielen Äußerungen anderer Sozialdemokraten, wonach eine Regierungszusammenarbeit auf Bundesebene im Jahr 2009 noch nicht möglich ist." Die Entscheidung bei der Präsidentenwahl aber beeinflusse das nicht, so Lafontaine weiter.

Laut des Linken-Parteichefs dabei zum einen um die Frage, "ob die Entscheidung für eine Person neue Möglichkeiten einer neuen politischen Zusammenarbeit eröffnet". Was aufgrund der definitiven Absage der SPD nicht der Fall sei. "Das andere: das inhaltliche Profil des Kandidaten oder der Kandidatin." Berücksichtige man diese Kriterien, "haben wir derzeit keinen Anlass, einen Kandidaten einer anderen Partei zu unterstützen. Wir sind im Gespräch über einen eigenen Kandidaten."

nik/AP/Reuters AP Reuters

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