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Ostern: Friedensbewegung setzt Ostermärsche fort

Die Friedensbewegung hat am Sonntag ihre diesjährigen Ostermärsche in mehreren deutschen Städten fortgesetzt. Die Teilnehmerzahl war aber geringer als bei den Protesten während des Irak-Krieges.

Einige Tausend Menschen nahmen nach Mitteilung des zentralen Informationsbüros der Ostermarschbewegung an den Aktionen teil. Schwerpunkte waren politische Spaziergänge, Wanderungen und Fahrradtouren im Ruhrgebiet, Thüringen und Brandenburg. Wie schon am Samstag war die Teilnehmerzahl geringer als während des Irak-Krieges, als Zehntausende demonstriert hatten.

'Moralische Motive'

Der Sprecher des Frankfurter Ostermarsch-Büros, Willi van Ooyen, zeigte sich dennoch zufrieden mit der Resonanz. Sie zeige ein rationales Verhalten der Menschen: Bei den Demonstrationen vor Beginn und während des Krieges hätten die Teilnehmer aktuell Einfluss nehmen wollen. Es gebe zwar keinen Aufschwung bei Einzelveranstaltungen an den Ostertagen, dafür aber mehr Initiativen, sagte van Ooyen. Ihre Zahl sei von 60 im vergangenen Jahr auf 105 in diesem Jahr gestiegen. Allein am Karsamstag habe es in mehr als 60 Städten und Gemeinden Veranstaltungen gegeben. «Aktive regionale Zentren sind das Fundament der Friedensbewegung», sagte van Ooyen. Unverändert sei das moralische Motiv der Demonstranten, den Krieg als falsch und ungerecht zu brandmarken.

Größte Veranstaltung in Brandenburg

Größte Einzelveranstaltung war am Sonntag ein Protestzug gegen einen geplanten Bombenabwurfplatz der Bundeswehr im Norden Brandenburgs. Dazu versammelten sich in Fretzdorf nach Veranstalterangaben rund 5.000 Menschen, die Polizei sprach von 3.000 Teilnehmern. Um das militärische Übungsgelände in der Kyritz-Ruppiner Heide wird seit elf Jahren gestritten.

Marsch quer durch's Ruhrgebiet

Von Essen aus starteten mehrere hundert Teilnehmer mit Fahrrädern zum Ostermarsch quer durch das Ruhrgebiet. Am Zielort Dortmund ist für Montag eine Abschlussveranstaltung im Kulturzentrum «Depot» geplant. In Dolle (Sachsen-Anhalt) trafen sich nach Polizeiangaben rund 200 Menschen zu einer Wanderung entlang der Colbit-Letzlinger Heide. Begonnen hatte die Demonstration am Morgen mit einem Auto-Korso in Magdeburg.

Proteste gegen Rechtsextremismus

In Weimar protestierten mehrere Hundert Menschen gegen Rechtsextremismus und den Irak-Krieg. Die Proteste richteten sich gegen eine angemeldete Neonazidemonstration, bei der nach Angaben der Polizei rund 180 Rechtsextremisten vom Bahnhof durch die Stadt zogen. Im Vorfeld gab es eine Festnahme wegen Verstoßes gegen das Tragen von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, mehrere Personen wurden in Gewahrsam genommen. Die Stadt hatte den Neonazi-Aufzug am Tag des Hitler-Geburtstages verbieten wollen. Das Verwaltungsgericht hob das Verbot jedoch auf.

Hauptanliegen immer noch Irak-Krieg

Auch in Bergen-Belsen, in Halle und in Losheim in der Eifel hatten Friedensinitiativen zu Aktionen aufgerufen. Hauptanliegen der diesjährigen Ostermärsche ist nach Angaben des zentralen Informationsbüros der Protest gegen den Krieg im Irak. Dieser Krieg sei völkerrechtswidrig und dürfe nicht zum Präzedenzfall für weitere Kriege werden.

Samstag waren mehr Menschen unterwegs

Am Samstag waren deutlich mehr Menschen auf die Straße gegangen. Die größte Veranstaltung war die Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz, wo sich 4.000 Ostermarschierer trafen. In Heidelberg versammelten sich nach Polizeiangaben 2.000 Demonstranten am Bahnhof. Im Rheinland mündeten mehrere Veranstaltungen in verschiedenen Städten in ein zentrales Friedensfest in der Düsselforder Altstadt mit rund 1.000 Teilnehmern. Am Ostermontag sind in zahlreichen Städten Abschlusskundgebungen geplant.