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Paintball-Verbot: Die Waffennarren lachen sich kaputt

Hoch und heilig hat die Politik nach dem Amoklauf von Winnenden versprochen, das Waffenrecht endlich zu verschärfen. Geschehen ist wenig. Stattdessen will man jetzt das Spiel Paintball verbieten. Die echten Waffennarren wird das freuen.

Ein Kommentar von Sönke Wiese

Großkalibrige Waffen bleiben erlaubt - im Schützenverein und zu Hause

Großkalibrige Waffen bleiben erlaubt - im Schützenverein und zu Hause

Die geplante Änderung des Waffenrechts ist ein Paradebeispiel für Placebo-Politik: Sie bewirkt nichts, aber man tut so, als ob man etwas täte. Denn die Regierung will der Bevölkerung nach dem schockierenden Amoklauf von Winnenden sicherlich Beruhigungspillen verabreichen. Gleichzeitig dürfen die Maßnahmen aber einer wichtigen Interessengruppe keinesfalls ernsthaft wehtun: den Sportschützen. Sie sollen die Maßnahmen schlucken können, ohne groß aufzuheulen zu müssen. Vor allem zwei Entscheidungen illustrieren diese Placebo-Politik.

Erstens, das geplante Verbot von Paintball. Das Spiel mag man für einen zweifelhaften Zeitvertreib halten, aber letztlich ist es eine harmlose Räuber- und Gendarm-Variante mit Farbkugeln. Diese Spielzeugwaffen sind mit echten Waffen wegen Gewicht und Rückstoß in der Handhabung nicht zu vergleichen. Amokläufe lassen sich damit jedenfalls nicht trainieren. Man könnte ebenso gut Wasserpistolen verdammen.

Nach dem Amoklauf von Winnenden will die Regierung Paintball verbieten. Richtige Entscheidung?

Geringster Widerstand

Gleichzeitig wird, zweitens, zu wenig unternommen, um den Zugang zu Waffen ernsthaft einzuschränken. Der Besitz großkalibriger Waffen bleibt erlaubt. Ebenso das Training mit ihnen, lediglich die Altersbeschränkung soll von 14 auf 18 Jahre heraufgesetzt werden. Das bedeutet zwar, dass Jugendliche schwerer an diese Waffen herankommen. Gleichzeitig bleiben diese aber - etwa im Verein oder daheim im Waffenschrank - in Reichweite. Ein halbwegs gewitzter Jugendlicher kann sich locker Zugang verschaffen.

Die Politik geht somit den Weg des geringsten Widerstands. Denn Paintball, das schräge, aus den USA importierte Spiel, hat hierzulande nur ein paar Tausend Anhänger. Die Schützenvereine dagegen haben Millionen Mitglieder, in weiten Deutschlands prägen sie das ländliche Leben. Schützenfeste sind in vielen Dörfern der "kulturelle" Höhepunkt des Jahres. Diese mächtige Wählergruppe mag die Politik im Wahljahr nicht vergrätzen.

Vorbild Großbritannien

Und weil diese Placebo-Politik nichts verändert, bleiben auch die Risiken bestehen. Zwar gibt es, zugegeben, unter den Hobbyschützen nur sehr, sehr wenige gewaltbereite Waffennarren. Aber genau diese dürften sich angesichts der Paintball-Hysterie auf die Schenkel klopfen vor Lachen.

Die deutsche Politik hätte sich ein Beispiel an Großbritannien nehmen müssen: Dort griff der Staat 1997 nach einem Amoklauf konsequent durch und verbot großkalibrige Waffen komplett. Hierzulande aber ereifert man sich lieber hysterisch gegen ein Spiel mit Farbkugeln.

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