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PID-Debatte auf dem Parteitag: CDU einigt sich auf Gentest-Verbot

Nach einer emotionalen Debatte auf dem Parteitag hat die CDU knapp für ein Gentest-Verbot an Embryonen gestimmt. Sogar die Führungsriege der Partei war uneinig: Während Bundeskanzlerin Merkel für ein PID-Verbot eintrat, sprach sich Familienministerin Schröder für Gentests in Grenzen aus.

Die CDU hat sich für ein generelles Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Das Ergebnis ist aber denkbar knapp ausgefallen. Für das Verbot von Gentests an Embryonen stimmten 51,06 Prozent der Delegierten. Die Befürworter hatten lediglich einen Vorsprung von 17 Stimmen. Von 799 gültigen Stimmen waren 408 für ein Verbot. Zuvor hatte der Parteitag stundenlang intensiv über das Für und Wider PID diskutiert. Die Delegierten votierten damit für die Position von Parteichefin Angela Merkel. Sie hatte zuvor betont: "Ich bin für ein Verbot der PID, weil ich einfach Sorge habe, dass wir die Grenzen nicht richtig definieren."

Die CDU rang in einer emotionalen Debatte um ihren Kurs für Gentests an Embryonen. Auch Generalsekretär Hermann Gröhe warb am Dienstag vor den rund 1000 Delegierten für ein Verbot der PID, die aus seiner Sicht mit der "Heiligkeit des Lebens" unvereinbar ist. Es gehe um die gleiche Würde jedes Menschen. Familienministerin Kristina Schröder sprach sich jedoch für Gentests unter engen Voraussetzungen aus. "Es ist das kleinere Übel, wenn wir die PID zulassen." Nach ihrer Aussage würde PID dazu dienen, in Deutschland viele Fehlgeburten, Totgeburten und Abteibungen zu verhindern.

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen auf Erbkrankheiten untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden. Sie können aussortiert werden, wenn eine Fehlgeburt oder die Geburt eines behinderten Kindes droht. Ärzte schätzen die Zahl der betroffenen Paare auf 150 bis 200 im Jahr. Die PID komme nur für Menschen mit erblichen Vorbelastungen infrage. Ein Vorschlag für den Parteitag sah vor, keinen Beschluss zu treffen oder alternativ über ein Verbot oder eine Zulassung in engen Grenzen zu entscheiden.

Sorge um christliche Werte

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner sagte vor der Abstimmung: "Wenn Leben ein Geschenk Gottes ist, dann ist dieses Geschenk nicht unter Bedingungen gegeben. Dann dürfen wir dieses Geschenk nicht neu packen." Sie ergänzte: "Entweder ist Wert und Würde von Anfang an da oder eben nicht." Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, appellierte an die Delegierten: "Lassen Sie nicht zu, dass die Ausnahme die Regel aushebeln wird."

Der Bundesgerichtshof hatte die PID im Juli für zulässig erklärt. Nun wird im Bundestag an einem Gesetz gearbeitet, um rechtliche Grauzonen zu beseitigen. Bei der Abstimmung im Parlament gibt es keinen Fraktionszwang, weil es sich um eine Gewissensentscheidung handelt. Der Parteitagsbeschluss der CDU ist für ihre Bundestagsabgeordneten nicht bindend.

bla/DPA / DPA