HOME

Plagiatsaffäre um Bildungsministerin: Strenges Regelwerk aus Schavans Institut aufgetaucht

Galten vor 30 Jahren laxere Zitierregeln als heute? Offenbar nein. Ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung" dürfte Bildungsministerin Schavan in neue Erklärungsnöte bringen.

Während die Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Annette Schavan weiter geprüft werden, hat die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) ein Heftchen ausgegraben, das für neuen Zündstoff sorgt. Die "Hinweise zur Anfertigung von Seminararbeiten" dokumentieren auf 32 Seiten die Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens während Schavans Zeit an der Düsseldorfer Universität, wie die "SZ" in ihrer Samstagsausgabe berichtet. Das 1978 in fünfter Auflage erschienene Werk belege, dass schon damals strenge Zitierregeln von den Studenten eingefordert wurden.

"Geistiger Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt", mahnen die Autoren laut "SZ"-Bericht zu Beginn des Absatzes über die "Zitierpflicht" und führen weiter aus: In wissenschaftlichen Beiträgen sei es selbstverständlich, "alle wörtlichen und sinngemäßen Entlehnungen aus fremden Texten kenntlich zu machen", und zwar "mit einer genauen Quellenangabe". Wer gegen die Zitierpflicht verstoße, verletze nicht nur "das Gebot der intellektuellen Redlichkeit". Der Verstoß gegen diese Prinzipien habe "schon manchen Wissenschaftler um Ehre und Karriere und manchen Prüfungskandidaten um den Erfolg seiner Bemühungen gebracht. Und das ist gut so." Dass Schavan den Text nie gelesen habe und diese Regeln nicht kannte, sei unwahrscheinlich, heißt es in dem "SZ"-Bericht: Ihr eigener Doktorvater, Gerhard Wehle, werde als einer der Herausgeber genannt.

Unterstützer von Schavan hatten in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die Arbeitsweise der Bildungsministerin zu jener Zeit nicht ungängig gewesen sei: "Die zeithistorischen Umstände von Dissertationen sind nicht unerheblich, da sie [...] den Erwartungshorizont bestimmen, wie junge Doktoranden und Doktorandinnen Dissertationen zu verfassen haben", befanden die Erziehungswissenschaftler Heinz-Elmar Tenorth und Helmut Fend im Oktober 2012 in einem Gastbeitrag für die "Zeit".

Deutsche gegen Sonderweg für Schavan

Eine Mehrheit der Deutschen hat sich unterdessen gegen einen Sonderweg für die CDU-Politikerin ausgesprochen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov forderten 80 Prozent der Befragten gleiches Recht für alle. 11 Prozent sind für eine strengere Prüfung als sonst üblich, weil aus ihrer Sicht für eine Bildungsministerin höhere Maßstäbe gelten. 5 Prozent sind der Meinung, dass die Universität Düsseldorf die Verdienste der Ministerin berücksichtigen und weniger streng entscheiden sollte, vier Prozent machten dazu kein Angabe.

Der Philosophische Fakultätsrat der Uni Düsseldorf hatte am 22. Januar beschlossen, eine "ergebnisoffene" Überprüfung von Schavans Doktorarbeit zu "Person und Gewissen" einzuleiten, am kommenden Dienstag befindet das Gremium erneut über den Fall. Am Ende könnte auch ein Entzug des Doktortitels stehen. Schavan werden bei ihrer 1980 eingereichten Doktorarbeit Plagiate, unkorrektes Zitieren und die Vernachlässigung wissenschaftlicher Standards vorgeworfen. Die Ministerin weist den Vorwurf der Täuschung zurück, hatte vor wenigen Tagen allerdings Flüchtigkeitsfehler eingeräumt.

jwi/DPA / DPA