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Plutonium-Anlage: Export oder Schrotpresse

Die Hanauer Plutonium-Anlage sollte einst die weltweit größte Fabrik zur Herstellung von Brennelementen aus Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX) werden.

Die Hanauer Plutonium-Anlage sollte einst die weltweit größte Fabrik zur Herstellung von Brennelementen aus Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX) werden. Den Grundstoff sollten die Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England liefern, in denen abgebrannte Brennelemente aus deutschen Meilern in ihre Bestandteile zerlegt werden. Auf diese Weise - so dachten schon die Atomtechniker der 60er Jahre - sollte einmal der Brennstoffkreislauf geschlossen werden. Ein und derselbe Brennstoff sollte immer wieder aufgearbeitet und in Strom verwandelt werden.

Große Pläne

Siemens und die deutschen Kernkraftwerkbetreiber hatten einst große Pläne, die Joschka Fischer (Grüne) 1991 - damals noch als hessischer Umweltminister - mit seiner Stilllegungsverfügung für einen alten Betriebsteil jedoch jäh beendete. Die damals gerade fertig gewordene 700 Millionen Euro teure, neue Anlage für die Plutoniumverarbeitung wurde daraufhin nie in Betrieb genommen. Verpackt in mehr als 50 Containern lagert sie derzeit hinter zwei Meter dicken Betonwänden in Hanau-Wolfgang.

Keine waffenfähige Brennstoffe

Das Werk könnte sofort verschickt werden, wenn es eine gewöhnliche Industrieanlage wäre. Aber die Fabrik ist politisch brisant, weil in ihr Plutonium verarbeitet werden kann: Der Stoff, aus dem Atombomben sind. Zur Erzeugung waffenfähiger Kernbrennstoffe sei die Hanauer Anlage zwar nicht geeignet, betont Siemens-Manager Peter Faber. Kernkraftgegner verweisen allerdings auf die Gefahr, dass Plutonium aus der Anlage "abgezweigt" und dann doch militärisch verwendet werden könnte.

"Die Anlage ist ein Unikat"

Um an einem neuen Ort in Betrieb zu gehen, müsste dort ein neues Fabrikgebäude gebaut und eine dem heutigen Stand entsprechende elektronische Leittechnik installiert werden, sagt Faber. Ein Teil der Geräte - Pressen und anderes Zubehör - sei bereits nach Japan verkauft worden. Mit diesen Maschinen, die als Reserve für den Betrieb der Anlage bereitgehalten worden waren, könne beispielsweise auch Uran bearbeitet werden. Für die restlichen Maschinen gibt es nur begrenzte Verwendungsmöglichkeiten. "Die Anlage ist ein Unikat", sagt Faber. Außer in Deutschland gebe es nur noch in Frankreich, England und Japan die MOX-Technologie.

Die Chinesen hätten vor einiger Zeit Interesse bekundet, nachdem die "russische Option" 2001 endgültig aufgegeben worden war, sagt Faber. Seit 1995 hatte Siemens versucht, die Anlage nach Russland zu verkaufen. Eine Export-Voranfrage wurde zunächst positiv entschieden, das Geschäft scheiterte letztlich an fehlenden Finanzierungszusagen. Sollte auch das Geschäft mit China nicht zu Stande kommen, werde die Anlage endgültig verschrottet, sagt Faber.

Sabine Ränsch, dpa / DPA