PORTRÄT Die starke Frau an Kohls Seite


Seit der Niederlage ihres Mannes bei der Bundestagswahl 1998 hat sich Hannelore Kohl nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Eine Lichtallergie schränkte ihren Bewegungskreis ein.

Seit der Niederlage ihres Mannes bei der Bundestagswahl 1998 hat sich Hannelore Kohl, die Frau von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU), nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Eine Lichtallergie schränkte ihren Bewegungskreis ein. Selbst der Hochzeit ihres Sohnes Peter vor wenigen Monaten in der Türkei musste die 68-Jährige wegen ihrer Krankheit fern bleiben.

Ihr Engagement galt der Rehabilitation Hirnverletzter, für die sie 1985 das Kuratorium ZNS für Unfallverletzte des zentralen Nervensystems in Bonn gründete. Politisch hielt sie sich aber auch schon während der 16-jährigen Amtszeit ihres Mannes zurück und spielte die traditionelle Rolle an der Seite des Kanzlers. Wie die personifizierte »Frau hinter dem mächtigen Mann« stellte sie sich zumindest für die Öffentlichkeit dar. Wenn die zierliche Blondine mit festgesprayter Frisur und Dauerlächeln an der Seite von Helmut Kohl auftrat, blieb sie still - sei es bei Staatsbesuchen, sei es im Wahlkampf für die CDU. Doch da, wo der übermächtige Kanzler nicht war, da sagte sie selbst von sich: »Ich bin aus dem Schatten meines Mannes herausgetreten.«

»Am meisten unterschätzte Frau« in Bonn

Für die Öffentlichkeit blieb sie eine stumme, nicht selten bis zur Starre zurückhaltende Person. Dass sie, als ihr Mann in den ersten Amtsjahren noch den Spott vieler auf sich zog, in Bonn als »das blonde Dummchen vom Land« galt, hat sie, wie sie

selbst sagte, gewusst. Und angefangen, einen dicken Panzer um sich aufzubauen, der sie am Ende nach Meinung vieler zur »am meisten unterschätzten Frau« in Bonn machte.

»Das übt sich«, lautet ihre ebenso berühmte wie einsilbige Antwort auf die Frage, wie man denn den Beruf der Kanzlergattin lernen könne. Zu diesem Üben gehörte ihr »Überlebenstraining« für Menschen, die sich »im Fadenkreuz der Medien« bewegen. Auf jedes Wort achten, immer vorzeigbar aussehen und vor allem im richtigen Moment den Mund halten - so beschrieb sie ihren selbstgewählten Verhaltenskodex, den sie nach »viel Ärger« über Schlagzeilen fand. Gemeinsam mit ihrem Mann schaffte sie es auch, die beiden Söhne Walter und Peter weitgehend abzuschotten.

Noch etwas gehörte zum ganz persönlichen Kodex der Hannelore Kohl: Anpassung. »Anpassen ist für mich kein schlechtes Wort«, sagte sie mit Blick auf ihren Mann, ihr Leben und die Frage, ob es auch anders hätte verlaufen können. Vielleicht hätte die gelernte Fremdsprachen- Korrespondentin, die in vier Sprachen stenografierte, gerne Naturwissenschaften studiert, meinte sie. Aber eigentlich nannte sie solche Gedanken schlichtweg »müßig«. Mit einer Begründung: »Ich habe mich doch für diesen Mann entschieden.«

Hannelore Kohl war seit 1960 mit Helmut Kohl verheiratet. 53 ihre 68 Lebensjahre verbrachte sie mit ihm. Mit 15 lernte die gebürtige Berlinerin, die in Leipzig aufwuchs und durch den Krieg zum Flüchtling wurde, Kohl in Ludwigshafen kennen. Die Tanzstundenliebe wurde nach 12 Jahren zur Ehe. Erst vor wenigen Tagen jährte sich der Hochzeitstag zum 41. Mal.

Sie wurde am 7. März 1933 unter dem Mädchennamen Hannelore Renner als Tochter eines Oberingenieurs aus der Pfalz in Berlin geboren und wuchs bis 1945 in Leipzig auf. Deshalb wurden Hannelore und Helmut Kohl in einer Werbekampagne zur inneren Einheit in den 90er-Jahren auch als gelungenes Beispiel für das Zusammenleben von Ost- und Westdeutschen präsentiert.

Unter dem Titel »Kulinarische Reise durch deutsche Lande« gab sie 1996 ein Kochbuch mit Rezepten aus neun deutschen Regionen heraus, zu denen ihr Mann kleine Texte beisteuerte. Sechs Mark von jedem Buch, in dem natürlich das Rezept für Kohls Leibgericht Pfälzer Saumagen nicht fehlen durfte, gingen an die Hannelore-Kohl-Stiftung für hirnverletzte Unfallopfer. Ihr erstes Kochbuch unter dem beziehungsreichen Titel »Was Journalisten anrichten« hatte sie bereits 1985 herausgegeben. Wegen ihres Engagements für Hirnverletzte wurde sie 1995 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Greifswald und 1997 mit der »Goldenen Ehrennadel« der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie ausgezeichnet.


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